Botanischer Garten

21. Poesienacht: Natur(er)kunden

30. August 2018 - Parasitenkunde, Kröten und wilde Wälder: Lesungen und Projektionen aus der grauen- wie auch wundervollen Natur mit Brigitta Falkner, Beatrix Langner, Frank Sievers und Andreas Jandl.

Flyer: Poesienacht

An der 21. Poesienacht am 30. August 2018 beleben ausgewählte Stimmen der «Naturkunden»-Reihe (Verlag Matthes & Seitz) die Orangerie des BOGA.
Lesungen und Gespräche mit Brigitta Falkner, Beatrix Langner, Frank Sievers und Andreas Jandl.
Moderation: Liliane Studer.

Beginn der Lesungen und Projektionen: 20:00 Uhr.

Essen und Trinken: ab 18:00 Uhr.

Tickets

Eintritt: Erwachsene 25 CHF, Auszubildende 15 CHF
Reservationen bis Dienstag, 28. August unter info@botanischergarten.ch oder 031 631 49 45.

Brigitta Falkner: «Strategien de Wirtsfindung»

Perfide Maskerade ? Irreführung des Feinds ? Die Strategien der Wirtsfindung sind ebenso grauen- wie wundervoll. Ob räuberische Rädertierchen oder arglose Larven – Parasiten wie Milben, Zecken oder fleischfressende Pflanzen beherrschen das Spiel von Camouflage und Mimikry auf so verstörend fantastische Weise, das sie eher der Horrorliteratur als dem Biologiebuch entsprungen zu sein scheinen. Die Autorin und Zeichnerin Brigitta Falkner (geboren 1959 in Wien) nähert sich in ihrer fröhlichen Parasitenkunde diesen erstaunlichen Organismen aus immer wechselnden Blick- und Schlupfwinkeln. Über 200 ganzseitige Bild- und Texttafeln ergeben ein hintersinniges Gespinst aus faktengesättigter Erkenntnis, ihrer rauschhaften Visualisierung und Poetisierung, in dem Naturkunde mit Elementen der Graphic Novel verschmelzen.

Beatrix Langner: «Kröten»

Buch-Cover: Kröten

Zugegeben, es gibt anziehendere Tiere: Ihre glitschige Haut und ihr von Flecken und Warzen gezeichneter Körper stoßen uns ab, und ihr Leben im Morast mit seiner Aura von Fäulnis und Gestank erinnert uns unfreiwillig daran, wohin wir alle einmal gehen. Dass wir der Kröte weniger mit Abscheu als mit Faszination begegnen sollten, zeigt Beatrix Langner (geboren 1950) in ihrer kenntnisreichen und eleganten Natur- und Kulturgeschichte des behäbigen Hüpfers. Auf ihrer Krötenwanderung führt sie uns durch Kunst und Literatur, vorbei an den Seziertischen der Wissenschaft sowie in den eigenen Garten und beleuchtet diese schillernden Geschöpfe im Zwischenreich von Trockenem und Feuchtem, Wasser und Land, Männchen und Weibchen. Dass sie ihre fröhliche Vermehrungslust gern mit trillernden und quakenden Klangwelten orchestriert, sollte uns ebenso für sie einnehmen wie die Tatsache, dass sie als Amphibie zu den ältesten und unerschütterlichsten Repräsentanten des Lebens auf der Erde gehört.

Frank Sievers & Andreas Jandl: «Wilde Wälder»

Buch-Cover: Wilde Wälder

Roger Deakin (1943 - 2006) begibt sich in seinem wichtigsten Buch, übersetzt von Frank Sievers und Andreas Jandl, auf eine Reise in das fünfte Element – das Holz. Die Reise beginnt im Schatten der Bäume seines Suffolker Gartens, führt ihn durch die Wälder Großbritanniens quer durch Europa bis nach Zentralasien und Australien. Auf der Suche nach den vielfältigen Funktionen und Bedeutungen dieses Materials, das wohl wie kein anderer nachwachsender Rohstoff die Menschheitsgeschichte geprägt hat, beschneidet er die Bäume in Suffolk, schwimmt neben Walnussbäumen des Haut-Languedoc, reist durch die wilden Apfelhaine Kasachstans, lebt in Holzhütten und Bretterbuden und sucht mit Aborigine Frauen nach Karandapflaumen im australischen Outback. Im Schatten alter Bäume trifft er Waldmenschen, lauscht ihren Legenden über den Apfel- und Walnussbaum, über die Eiche und Esche, den Cricketschläger und heidnische Dorfrituale.