Botanischer Garten

Pflanzen des Monats 2019

Januar: Ein rot-gelber Leopard im Dschungeldach

Foto: Tiger-Orchidee (Grammatophyllum speciosum Blume)
Pflanze des Monats Januar: Tiger-Orchidee (Grammatophyllum speciosum Blume)

Anfang Januar, wenn die Natur in unseren Breitengraden ruht, sehnt man sich nach Farben, Wärme und Blumen. Es ist genau der richtige Moment, um der Tiger-Orchidee (Grammatophyllum speciosum BLUME) im Palmenhaus einen Besuch abzustatten.

Das Exemplar, das in der Galerie im Palmenhaus steht, hat eine bewegte Geschichte. Jahrelang hat es im Tierpark Dählhölzli gestanden, bevor es von da an den Altenbergrain gelangt ist. Hier nun scheint es dem gelb-rot gefleckten «Leopard» zu gefallen, zumindest blüht die Pflanze nun zum ersten Mal. Ob es das feucht-warme Klima, das viele Licht nach dem Sonnen-Sommer 2018 oder die liebevolle Pflege des Tropenhaus-Gärtners ist, sei dahingestellt, aber seit Ende Dezember blüht sie endlich. Dies ist beachtlich, denn in unseren Breitengraden kommt diese ohnehin eher blühfaule Art nur sehr selten zum Blühen.

Die Familie der Orchideen erfreut sich bei einem riesigen Publikum einer grossen Beliebtheit, die weit über die Kreise der Botaniker hinausreicht. Mit um die 30'000 Arten hat die Familie auch einiges zu bieten. Die Tiger-Orchidee hält innerhalb der Familie den Grössenrekord, denn ihre Stämme können mehrere Meter lang werden. Wer die Art wild sehen will, muss nach Südost-Asien reisen – ihr riesiges Verbreitungsgebiet reicht von Laos über die Philippinen bis zu den Solomon-Inseln. Dort wächst sie als sogenannter «Baumsitzer» in den Kronen von grossen Bäumen.

Tiger-Orchidee ist eigentlich ein wenig passender Name, denn für das lustige Punktemuster hätte wennschon ein Leopard bemüht werden müssen. Wegen ihren hübsch gepunkteten Blüten wird sie auch gerne kultiviert und der wissenschaftliche Artname passt gut: speciosum kann auf Deutsch mit «auffällig» übersetzt werden. Ob sie dereinst so gross wird, wie ihre Artgenossin, die an der Londoner Industrieausstellung 1851 ausgestellt wurde und über zwei Tonnen schwer war, wissen wir noch nicht – die Blüte sollte man sich aber im Januar keinesfalls entgehen lassen.

Text: Adrian Möhl