Botanischer Garten

Ex-situ Erhaltung und Wiederansiedlung von gefährdeten Pflanzenarten

Ein Pilotprojekt des Instituts für Pflanzenwissenschaften (IPS), des Botanischen Gartens Bern (BOGA) und des Bundesamtes für Umwelt (BAFU).

In der Schweiz sind rund 30% der einheimischen Pflanzenarten verschiedenen Gefährdungsgraden zugeordnet und weitere 50% gelten als potentiell gefährdet.

Globale Strategie zum Schutz der Pflanzen

Um den fortschreitenden Artenverlust zu verhindern hat sich die Schweiz im Rahmen der «Globalen Strategie zum Schutz der Pflanzen» (Global Strategy for Plant Conservation) zusammen mit vielen anderen Ländern zum Ziel gesetzt, für die Erhaltung wildlebender Pflanzen Sorge zu tragen.

Die Ex-situ Erhaltung gefährdeter Pflanzenarten, also die Kultur von Pflanzen ausserhalb ihres natürlichen Lebensraumes, zum Beispiel in Botanischen Gärten, sowie deren Wiederansiedlung in geeignete Habitate, könnten dabei eine wichtige Rolle spielen. Deshalb ist ein Ziel der «Globalen Strategie zum Schutz der Pflanzen», jeweils 60% der gefährdeten Arten jeder regionalen Flora ex-situ zu erhalten und mit 10% dieser Arten Wiederansiedlungsprojekte durchzuführen.

Pilotprojekt im BOGA

In einem Pilotprojekt der Universität Bern wird nun versucht, diesem Ziel mit wissenschaftlich fundierten Konzepten näher zu kommen. Am Institut für Pflanzenwissenschaften und dem Botanischen Garten Bern wurden bereits etwa 40 gefährdete Pflanzenarten genauer unter die Lupe genommen. Diese Zahl soll auf über 100 Arten ergänzt werden. In Gewächshausexperimenten wird versucht, möglichst viel über jede dieser Arten herauszufinden.

Von Interesse sind besonders Pflanzeneigenschaften wie Keimungsrate, Toleranz gegenüber unterschiedlichen klimatischen Bedingungen sowie der Einfluss verschiedener Bestäubungsmechanismen, immer im Vergleich zu nah verwandten häufigen Arten.

Der Verlust genetischer Vielfalt gefährdet besonders kleine Populationen, da durch Zufallsprozesse wichtige Anpassungen verloren gehen können. Es wird deshalb auch untersucht, ob gewisse Arten genetisch bereits verarmt sind und demzufolge unter Inzucht leiden könnten.

Die gewonnenen Informationen sind notwendig, um effiziente Erhaltungsmassnahmen durchführen zu können. Zusammen mit Forschungsinstituten, Botanischen Gärten und naturschutzrelevanten Behörden könnte es somit hoffentlich längerfristig möglich sein, das Überleben möglichst vieler Pflanzenarten der Schweiz zu sichern.

Verantwortlich für das Projekt im BOGA ist:

Weitere Artenschutzprojekte

BOTANICA - «Die Letzten ihrer Art» ist eine Initiative der botanischen Gärten der Schweiz mit dem Ziel, bedrohte Lebensräume zu schützen und gefährdete Arten zu erhalten. In diesem Rahmen werden Artenschutzprojekte in 22 botanischen Gärten der Schweiz vorgestellt. Im BOGA sind dies:

Im BOGA wurden im Jahr 2015 Samen des Kreuzblättrigen Enzian (Gentiana cruciata) angesät und davon 650 Pflanzen kultiviert. Ein Grossteil davon wurde im Herbst 2016 im Berner Jura ausgepflanzt.

Das einzige nördlich der Schweizer Alpen bekannte Vorkommen des Blutroten Knabenkraut (Dactylorhiza cruenta) befindet sich in einem Flachmoor bei Kandersteg. Die Universität Bern hat mit verschiedenen Partnern 2014 ein Projekt zur In-vitro-Kultivierung und Vermehrung lanciert und von 25 Individuen aus dieser Population Samen gesammelt, die unter kontrollierten Bedingungen im Labor kultiviert wurden.