Botanischer Garten

Pflanzen des Monats 2018

Mai

Juli: Diplomat des Pflanzenreichs

Gelber Herold (Digitalis ferruginea L.)
Gelber Herold (Digitalis ferruginea L.) Fotos: Katja Rembold & Markus Bürki

Der Gelbe Herold (Digitalis ferruginea L.) gehört zur Gattung der Fingerhüte (Digitalis) innerhalb der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae). Wie die meisten Fingerhüte, ist der Gelbe Herold zweijährig und bildet im ersten Jahr eine grüne Blattrosette aus. Erst im zweiten Jahr kommt er zur Blüte. Natürlicherweise wächst diese Art in Ungarn, Rumänien, der Türkei und im Kaukasus wo er Temperaturen bis zu -20°C ertragen kann.

Wie auch bei anderen Arten der Fingerhüte, sind alle Teile des Gelben Herolds giftig und der Konsum kann Unwohlsein und Erbrechen hervorrufen. Kontakt mit den Blättern kann allergische Reaktionen auslösen. Richtig dosiert können die giftigen Wirkstoffe (Digitalisglykoside) von Fingerhüten zu medizinalen Zwecken eingesetzt werden, so zum Beispiel bei Herzproblemen. Aus diesem Grund sind auch mehrere Fingerhut-Arten im Heilpflanzengarten des BOGA zu finden.

Während der deutsche Name auf die gelben Bereiche der Blüten anspielt, bedeutet der lateinische Name (ferruginea) «rostrot» und hebt somit die rotbraune Aderung der Blüten hervor, die den Gelben Herold von anderen gelbblütigen Digitalis-Arten unterscheidet.

Der Berufstand „Herold“ war im Mittelalter der offizielle Bote eines Lehnsherrn was heutzutage einem Diplomaten entspricht. Seine prächtigen Blütenstände und seine Frosttoleranz haben dem Gelben Herold im Jahr 2002 eine Auszeichnung der Londoner Gesellschaft für Obst- und Gartenbau (Royal Horticultural Society, UK) als verdiente Gartenpflanze eingebracht. Somit wird der Gelbe Herold seinem Deutschen Namen als Diplomat des Pflanzenreichs voll und ganz gerecht.

Text: Katja Rembold

Juni: Verwirrend begehrte Schönheit

Lorbeerblättrige Zistrose (Cistus laurifolius L.)
Lorbeerblättrige Zistrose (Cistus laurifolius L.) Foto: Markus Bürki

Die Lorbeerblättrige Zistrose (Cistus laurifolius L.) ist weder mit dem Lorbeer noch mit Rosen verwandt, obwohl sie beiden ähnlich sieht.  Die Blätter von C. laurifolius ähneln denen des Gewürzlorbeers (Laurus nobilis), da die beiden im gemeinsamen Lebensraum denselben Umweltbedingungen angepasst sind. Die meist prächtigen Blüten der Zistrosen gleichen Rosen (Rosa ssp.), sind von denen wegen den knittrigen Blütenblättern aber leicht zu unterscheiden. Die Gattung Cistus gehört zur Familie der Zistrosengewächse (Cistaceae) und umfasst ca. 20 Arten, die alle einen strauchigen Wuchs aufweisen. Zistrosen bilden einen Hauptbestandteil der Garigue, einer offenen mediterranen Strauchheidenformation. Cistus laurifolius wächst als bis zu 2 m hoher Strauch im Mittelmeergebiet (Marokko bis Anatolien).

Aus Zistrosen gewinnt man “Labdanum“ (auch “Ladanum“), bei dem es sich um das Harz  verschiedener Arten handelt. Im Sommer tritt unter Sonneneinwirkung das ölige Harz aus den Blättern und Zweigen. Hirten trieben früher ihre Ziegen in das dichte Buschwerk der Zistrosenbestände und kämmten anschliessend die Harzklümpchen aus dem Fell heraus. Der Name kommt aus dem syrisch-phönizischen Sprachraum, wo die Pflanze als Ladan (klebriges Kraut) bezeichnet wird. Es wurde bereits im Mittelalter zur Schönheitspflege sowie als Heilmittel benutzt und dient auch heute noch als Rohstoff für die Parfumindustrie. Gutes “Labdanum“ hat einen lieblichen, dezent an Honig erinnernden Duft.

Zistrosen werden oft von einem Parasiten befallen, dem Zistrosenwürger (Cytinus spp.). Dabei handelt es sich um Vollparasiten, die auf den Wurzeln verschiedener Zistrosen parasitieren und ihnen unterirdisch Wasser und Nährstoffe abzapfen. Nur die Blüten des Zistrosenwürgers kommen an die Oberfläche, damit sie bestäubt und später die Samen verbreitet werden können.

Text: Katja Rembold

Mai: Die Pflanze des Totenreichs

Foto: Weisser Affodill (Asphodelus albus Mill.)
Weisser Affodill (Asphodelus albus Mill.). Foto: Markus Bürki

Der bis über einen Meter gross werdende Weisse Affodill (Asphodelus albus Mill.) aus der Familie der Grasbaumgewächse (Xanthorrhoeaceae), besitzt einen Blütenstand der bis 50 cm lang werden kann. Dieser Blütenstand ist dicht bepackt mit vielen Blüten die jeweils aus sechs weissen Blütenblättern bestehen. Jedes Blütenblatt besitzt einen dunklen Mittelnerv, welcher hungrige Bestäuber zum Zentrum der Blüte und damit zum Nektar führt.

Der Affodill verbringt die für ihn schlechten Monate im Herbst und Winter unterirdisch, in einem verdickten, kurzen Rhizom. Im Frühling entspringt er diesem Rhizom und breitet seine Blütenpracht in den Monaten Mai bis Juli aus. In der Schweiz ist der weisse Affodill nur an wenigen Stellen im Wallis und Tessin anzutreffen. Geht man weiter in Richtung Mittelmeer zu kalkhaltigen, nährstoffreichen und sonnigen Gebieten, kann es jedoch sein, dass man plötzlich auf Wiesen stösst, die vom Weissen Affodill dominiert sind. Aufgrund der giftigen, nadelkristallhaltigen Blätter vermeiden Schafe und Ziegen den Weissen Affodill, weshalb er sich vor allem auch in beweideten Wiesen stark ausbreiten kann. Besonders stark verbreitet ist er in Griechenland. Dort ist es auch, wo der Weisse Affodill seine Assoziation zum Totenreich erlangte.

In der griechischen Mythologie wird die Unterwelt als «Asphodelenwiese» bezeichnet auf denen sich die Geister der Verstorbenen treffen. Noch heute wird der Weisse Affodill dort auf Gräber gepflanzt und symbolisiert den Tod und die Trauer. Dies führte auch zu der erneuten Berühmtheit des Weissen Affodills durch die Harry Potter Bücher, in denen er eine Grundsubstanz des Trankes der lebenden Toten ist.

Text: Deborah Schäfer