Botanischer Garten

Pflanzen des Monats 2018

Mai: Die Pflanze des Totenreichs

Foto: Weisse Affodill (Asphodelus albus Mill.)
Weisse Affodill (Asphodelus albus Mill.). Foto: Markus Bürki

Der bis über einen Meter gross werdende Weisse Affodill (Asphodelus albus Mill.) aus der Familie der Grasbaumgewächse (Xanthorrhoeaceae), besitzt einen Blütenstand der bis 50 cm lang werden kann. Dieser Blütenstand ist dicht bepackt mit vielen Blüten die jeweils aus sechs weissen Blütenblättern bestehen. Jedes Blütenblatt besitzt einen dunklen Mittelnerv, welcher hungrige Bestäuber zum Zentrum der Blüte und damit zum Nektar führt.

Der Affodill verbringt die für ihn schlechten Monate im Herbst und Winter unterirdisch, in einem verdickten, kurzen Rhizom. Im Frühling entspringt er diesem Rhizom und breitet seine Blütenpracht in den Monaten Mai bis Juli aus. In der Schweiz ist der weisse Affodill nur an wenigen Stellen im Wallis und Tessin anzutreffen. Geht man weiter in Richtung Mittelmeer zu kalkhaltigen, nährstoffreichen und sonnigen Gebieten, kann es jedoch sein, dass man plötzlich auf Wiesen stösst, die vom Weissen Affodill dominiert sind. Aufgrund der giftigen, nadelkristallhaltigen Blätter vermeiden Schafe und Ziegen den Weissen Affodill, weshalb er sich vor allem auch in beweideten Wiesen stark ausbreiten kann. Besonders stark verbreitet ist er in Griechenland. Dort ist es auch, wo der Weisse Affodill seine Assoziation zum Totenreich erlangte.

In der griechischen Mythologie wird die Unterwelt als «Asphodelenwiese» bezeichnet auf denen sich die Geister der Verstorbenen treffen. Noch heute wird der Weisse Affodill dort auf Gräber gepflanzt und symbolisiert den Tod und die Trauer. Dies führte auch zu der erneuten Berühmtheit des Weissen Affodills durch die Harry Potter Bücher, in denen er eine Grundsubstanz des Trankes der lebenden Toten ist.

Text: Deborah Schäfer