Botanischer Garten

Pflanzen des Monats 2019

März: Pinker Blütenteppich voller Geheimnisse

Kos-Alpenveilchen (Cyclamen coum Mill). Foto: Katja Rembold
Kos-Alpenveilchen (Cyclamen coum Mill). Foto: Katja Rembold

Cyclamen coum Mill wird auf Deutsch Kos-Alpenveilchen oder auch Vorfrühlings-Alpenveilchen genannt. Vorfrühling deshalb, weil seine auffälligen Blüten vor allem zwischen Januar und März zu sehen sind. Die robusten Blüten überstehen Schnee und Temperaturen bis zu -20 °C problemlos, spätestens im Monat Mai ist das Blütenmeer jedoch verschwunden. Diese Sommerruhe stammt noch aus dem ursprünglichen Verbreitungsgebiet des Kos-Alpenveilchens, dem Mittelmeerraum. Dort ist es im Sommer trocken, während im Winter ideale Wachstumsbedingungen herrschen.

Bei allen der ungefähr 22 Alpenveilchenarten bilden die bestäubten Blüten Samenkapseln. Interessanterweise wächst der Blütenstiel nach der Fruchtbildung weiter und kringelt sich schneckenförmig ein. Mit diesen Schraubbewegungen wird die Kapseln auf den Boden gebracht. Erst dann öffnet sich die Kapsel und die Samen werden freigegeben.

Viele Alpenveilchenarten sind beliebte Zierpflanzen. Während die aus dem Mittelmeergebiet stammenden Kos-Alpenveilchen und Efeublättrigen Alpenveilchen (Cyclamen hederifolium) frosttolerant sind und in vielen Gärten gepflanzt werden, wird das Zimmer-Alpenveilchen (Cyclamen persicum) gerne als Zimmerpflanze gehalten.

Die zierlichen rosaroten Blüten und die dekorativen Blätter entspringen einer grossen, scheibenartigen Knolle, daher auch der wissenschaftliche Namen Cyclamen (kyklaminos, griechisch = Scheibe, Kreis). Die Wurzelknolle ist giftig für Fische, aber auch für Katzen oder Menschen. Sie wirkt schon in geringen Mengen abführend und kann bei höherer Dosis zu Lähmungserscheinungen und Atemstillstand führen. Trotz - oder vielleicht gerade aufgrund - dieser Inhaltsstoffe wurde das Alpenveilchen vielfältig genutzt: von Schlangenbissen bis zu Geschwüren als Medizin, dem Wein beigesetzt, um betrunkener zu werden und dem Kuchen beigefügt, um Frauen verliebt zu machen. Ausserdem sollen die Blüten bzw. ein daraus gewonnenes Öl vor gebrochenem Herzen bewahren. 

Text: Deborah Schäfer

Februar: Im Winter ein rosarotes Blütenmeer, im Sommer eine klebrige Angelegenheit

Essers Fettkraut (Pinguicula esseriana B. KIRCHN.)
Essers Fettkraut (Pinguicula esseriana B. KIRCHN.) Foto: Deborah Schäfer

In den Vitrinen im Farnhaus blühen momentan gleich mehrere Arten der Fettkräuter (Gattung Pinguicula) – ein regelrechtes Meer aus rosaroten Blüten von klein bis gross. Die Fettkräuter sind eine Gattung, die nicht nur schön fürs Auge ist, sondern auch ökologisch äusserst Interessantes zu bieten hat.

Wenn man die in einer Rosette am Grunde der Pflanze wachsenden Laubblätter der Fettkräuter genau betrachtet, erkennt man, dass diese auffällig glänzen. Von diesem "fettigen Glänzen" der Laubblätter stammt auch der deutsche Gattungsname "Fettkraut". Das Glänzen stammt von zwei verschiedenen Sekreten, welche aus Drüsen auf der Blattoberfläche abgesondert werden. Durch das Glänzen werden Insekten angelockt und bleiben nach der Landung auf den Blättern an dem ersten, klebrigen Sekret hängen. Darauf hin kommt das zweite Sekret zum Zuge, ein enzymhaltiger Verdauungssaft, welcher das festklebende Insekt zersetzt. Die bei der Zersetzung freigesetzten Nährstoffe werden über winzige Blattöffnungen aufgenommen und dienen der Pflanze als zusätzliche Nahrungsquelle.

Fettkräuter sind also fleischfressende (karnivore) Pflanzen und kommen - wie die meisten karnivoren Pflanzen - in sehr nährstoffarmen Gebieten vor. In nährstoffarmen Gebieten ist diese zusätzliche Nahrungsquelle ein Konkurrenzvorteil gegenüber anderen, nichtkarnivoren Pflanzen.

Die Pflanze des Monats ist Essers Fettkraut (Pinguiculaesseriana B.KIRCHN.), ein Fettkraut, welches nur im Nordosten Mexikos vorkommt. In der Natur bildet diese Fettkrautart, wie auch andere tropische Fettkräuter, zwei unterschiedliche Blattarten (Heterophyllie). Während der Regenzeit hat sie karnivore Sommerblätter, welche eingerollte Blattränder besitzen. Während der Trockenzeit, verfällt die Pflanze in eine Art Winterruhe um ein Vertrocknen zu vermeiden und bildet rundlichere nicht-karnivore Winterblätter ohne eingerollten Rand.

Text: Deborah Schäfer

Januar: Ein rot-gelber Leopard im Dschungeldach

Foto: Tiger-Orchidee (Grammatophyllum speciosum Blume)
Tiger-Orchidee (Grammatophyllum speciosum Blume) Foto: Adrian Möhl

Anfang Januar, wenn die Natur in unseren Breitengraden ruht, sehnt man sich nach Farben, Wärme und Blumen. Es ist genau der richtige Moment, um der Tiger-Orchidee (Grammatophyllum speciosum BLUME) im Palmenhaus einen Besuch abzustatten.

Das Exemplar, das in der Galerie im Palmenhaus steht, hat eine bewegte Geschichte. Jahrelang hat es im Tierpark Dählhölzli gestanden, bevor es von da an den Altenbergrain gelangt ist. Hier nun scheint es dem gelb-rot gefleckten «Leopard» zu gefallen, zumindest blüht die Pflanze nun zum ersten Mal. Ob es das feucht-warme Klima, das viele Licht nach dem Sonnen-Sommer 2018 oder die liebevolle Pflege des Tropenhaus-Gärtners ist, sei dahingestellt, aber seit Ende Dezember blüht sie endlich. Dies ist beachtlich, denn in unseren Breitengraden kommt diese ohnehin eher blühfaule Art nur sehr selten zum Blühen.

Die Familie der Orchideen erfreut sich bei einem riesigen Publikum einer grossen Beliebtheit, die weit über die Kreise der Botaniker hinausreicht. Mit um die 30'000 Arten hat die Familie auch einiges zu bieten. Die Tiger-Orchidee hält innerhalb der Familie den Grössenrekord, denn ihre Stämme können mehrere Meter lang werden. Wer die Art wild sehen will, muss nach Südost-Asien reisen – ihr riesiges Verbreitungsgebiet reicht von Laos über die Philippinen bis zu den Solomon-Inseln. Dort wächst sie als sogenannter «Baumsitzer» in den Kronen von grossen Bäumen.

Tiger-Orchidee ist eigentlich ein wenig passender Name, denn für das lustige Punktemuster hätte wennschon ein Leopard bemüht werden müssen. Wegen ihren hübsch gepunkteten Blüten wird sie auch gerne kultiviert und der wissenschaftliche Artname passt gut: speciosum kann auf Deutsch mit «auffällig» übersetzt werden. Ob sie dereinst so gross wird, wie ihre Artgenossin, die an der Londoner Industrieausstellung 1851 ausgestellt wurde und über zwei Tonnen schwer war, wissen wir noch nicht – die Blüte sollte man sich aber im Januar keinesfalls entgehen lassen.

Text: Adrian Möhl