Botanischer Garten

Pflanzen des Monats 2019

Mai

August: Reinheitssymbol, Nutzpflanze, Vorbild

Indische Lotusblume (Nelumbo nucifera)
Indische Lotusblume (Nelumbo nucifera) Foto: Katja Rembold

Die Indische Lotusblume (Nelumbo nucifera) ist über grosse Teile Asiens verbreitet. Durch ihre spezielle Oberflächenstruktur perlen Flüssigkeiten von den Blättern ab und nehmen dabei Schmutzpartikel mit, wodurch die Blätter meist sehr sauber sind. Diese Selbstreinigung hat der Lotusblume zum einen den Status als Reinheitssymbol eingebracht, zum anderen einen wichtigen Stellenwert in der Bionik: der «Lotus-Effekt ©» aus der Natur wird kopiert und auf verschiedene Produkte anwendet. Die meisten Teile der Pflanze essbar und aus ihren Fasern lässt sich Lotusseide herstellen. In China wird die Art deshalb schon seit über 3 000 Jahren kultiviert.

Die Familie der Lotusgewächse (Nelumbonaceae) enthält nur zwei Arten, die Indische Lotusblume und die Amerikanische Lotusblume (Nelumbo lutea); letztere unterscheidet sich durch ihre gelblich-weissen Blüten.

Lotusblumen werden oft mit Seerosen (Nympaea spp.) verwechselt, mit denen sie jedoch nicht näher verwandt sind. Man unterscheidet sie leicht an der kegelförmigen Blütenachse im Inneren der Lotusblumen, die bei Seerosen fehlt. Ausserdem ragen die Lotusblätter bis zu 2 m über die Wasseroberfläche hinaus, während Seerosenblätter auf der Oberfläche aufliegen.

Die Indische Lotusblume ist in den Wasserbecken neben dem Teich zu finden.

Juli: Symbol des Friedens

Blüten des Olivenbaumes (Olea europaea L.)
Blüten des Olivenbaumes (Olea europaea L.) Foto: Deborah Schäfer

Der Olivenbaum (Olea europaea L.) ist viel geschätzt und bekannt, wird die im Mittelmeergebiet heimische Pflanze doch seit schätzungsweise 4000 Jahren v. Chr. von Menschen genutzt. Vor allem die Früchte sind begehrt, aus welchen das beliebte Olivenöl gewonnen wird. Oliven sind in unterschiedlichen Farben zu kaufen. Die Farbe hängt von der Fruchtreife zum Sammelzeitpunkt ab – grün: ausgewachsen aber unreif, schwarz: ausgewachsen und reif. Oliven können aufgrund ihrer starken Bitterkeit nicht roh gegessen werden. Um sie geniessbar zu machen, werden sie in Salzlake eingelegt. Durch die Beigabe von Kräutern, Knoblauch, Chilis und vielem weiterem entsteht eine riesige Geschmacksvielfalt. Um Olivenöl zu gewinnen werden die Oliven geerntet sobald sie sich von grün zu violett-schwarz verfärben. Samt Stein werden sie zerkleinert und danach gepresst und das Olivenöl, welches sowohl in der Küche als auch in Kosmetikprodukten verwendet wird, trittaus. Das Holz des Olivenbaumes ist sehr hart und weist eine ästhetisch schöne Musterung auf. Es ist ein eher teures Holz und wird für Möbel, Dekorationsgegenstände aber auch zum Herstellen von Küchenutensilien benutzt. Während fast alle die Früchte des Olivenbaumes kennen und vielleicht sogar auch ein Bild des Olivenbaumes aus den Ferien im Mittelmeergebiet vor dem inneren Auge sehen, so sind die Blüten der Olivenbäume wahrscheinlich eher wenig bekannt: 10 bis 40 der kleinen Blüten mit vier gelblich - weissen Blütenblättern stehen jeweils in einem rispigen Blütenstand zusammen. Olivenbäume werden sehr alt. Die ältesten Olivenbäume werden zwischen 2000 bis 4000 Jahre alt geschätzt. Genaue Messungen sind jedoch schwierig, da bei älteren Olivenbäume das Innere des Stammes meist bereits verrottet ist. Der Olivenbaum ist ein Symbol für Frieden und Wohlstand und wird schon in der Bibel entsprechend erwähnt. Als solches ist er bis heute bekannt – repräsentieren die Zweige auf der Flagge der UNO doch die Zweige des Olivenbaumes.

Der Olivenbaum (Olea europaea L.) ist im Mittelmeergebiet im Freiland zu finden.
 

Juni: Auffällige Orchidee mit Mundgeruch

Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum  (L.) Spreng)
Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum (L.) Spreng) Foto: Deborah Schäfer

Himantoglossum hircinum (L.) Spreng ist eine in der Schweiz heimische Orchidee (Orchidaceae). Sie bildet ihre Blätter im Herbst aus, überdauert als Blattrosette mindestens einen Winter und bildet dann zwischen Mai und Juni die Blüten. Der Blütenstand ist bis zu 30 cm gross und trägt bis zu 100 Blüten. Dank des auffälligen, bis zu 6 cm langen Mittellappens der Lippe jeder Blüte, ist die Bocks-Riemenzunge in der Schweiz einfach zu erkennen.

Während der Namensteil «Riemenzunge» auf die auffällige Lippe hinweist, so verweist der Namensteil «Bock» oder auch der wissenschaftliche Name «hircinum» (hircinus = Bocks) auf den unangenehmen Geruch der Blüten nach einem Ziegenbock. Während verschiedene Bestäuber wie Bienen und Hummeln von den farblich variablen Blüten – weiss-grünen bis weiss-rosa – angelockt werden, so vermutet man, dass der unangenehme Geruch der Blüten zum Anlocken von Fliegen und nachtaktiven Bestäubern dient.

Die Bocks-Riemenzunge ist in Westeuropa, von England bis nach Nordafrika verbreitet. Sie bevorzugt trockene Wiesenstandorte, wie sie in der Schweiz vor allem im Jura vorkommen. Obwohl sie lokal in grosser Zahl auftreten kann, ist sie doch eher selten anzutreffen. Der bevorzugte Lebensraum der Bocks-Riemenzunge – die sogenannten «mitteleuropäischen Halbtrockenrasen» (Mesobromion) – gehen in ihrem Vorkommen stetig zurück. Aufgrund dieses zunehmenden Lebensraumverlustes ist die Bocks-Riemenzunge in der Schweiz als potentiell gefährdet eingestuft.

Die knapp 40 Bocks-Riemenzungen Pflanzen im BOGA sind nur zu Gast: Ihr natürlicher Lebensraum in der Nähe von Biel musste der Vergrösserung der Autobahn weichen. In Zusammenarbeit mit einem Umweltbüro und den zuständigen Bundesstellen wurden sie an ihrem natürlichen Standort ausgegraben und werden nun im BOGA gehegt und gepflegt. Im BOGA sollen sie allerdings nur ein bis zwei Jahre bleiben. Nach Beendigung der Bauarbeiten an der Autobahn werden sie in unmittelbarer Nähe zu ihrem ehemaligen Standort wieder in einen neu geschaffenen, passenden Lebensraum verpflanzt werden.

Die Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum  (L.) Spreng) ist bei der Anzucht auf dem untersten Gartenniveau zu finden.

Mai: Verlockende Falle

Rote Schlauchpflanze (Sarracenia purpurea L.)
Rote Schlauchpflanze (Sarracenia purpurea L.) Foto: Katja Rembold

Schön und verführerisch sieht sie aus, die Rote Schlauchpflanze (Sarracenia purpurea L.). Durch ihr ungewöhnliches Aussehen mit schlauchförmigen Blättern und regenschirmartigen Blüten fiel die aus Amerika stammende Pflanze europäischen Übersiedlern früh auf und ist bereits seit dem Jahr 1576 durch Zeichnungen belegt. Schlauchpflanzen gehören zur Familie der Schlauchpflanzengewächse (Sarraceniaceae) mit drei Gattungen und ca. 30 Arten, welche alle karnivor, also fleischfressend sind. Benannt sind Gattung und Familie nach Dr. Sarrazin, der 1753 lebende Exemplare nach Paris schickte, wo sie erstmals beschrieben wurden.

Die Fallen von S. purpurea sind umgewandelte Blätter, die sich in drei Zonen unterteilen lassen: die Anlockungszone um die Öffnung herum ist auffallend grün bis dunkelrot gefärbt und mit zahlreichen Nektardrüsen und nach innen gerichteten Haaren bestückt. Im Falleninneren befindet sich die Gleitzone, deren Oberfläche mit rutschigen Wachsen bedeckt ist. Darunter liegt die mit Wasser gefüllte Verdauungszone, in der Insekten ertrinken. Die in der Flüssigkeit befindlichen Enzyme und Bakterien zersetzen die Beutetiere und die Nährstoffe stehen so der Pflanze zur Verfügung. In den Fallen findet man oft auch «Mittesser», meist Insektenlarven, die sich ebenfalls von den Beutetieren ernähren.

Um sicher zu gehen, dass nicht auch die Bestäuber der Pflanze in den Fallen landen, sind die Blüten meist sehr langstielig und somit weit von den Fallen entfernt. Auffällig an den Blüten ist der schirmförmige Griffel, der auch nach der Bestäubung bestehen bleibt und die sich entwickelnde Kapselfrucht schützt.

S. purpurea kommt natürlicherweise in Kanada und entlang der Ostküste der USA in Mooren, aber auch auf sandigen Böden vor. An ihrem Naturstandorten ist die Art stark gefährdet. Durch Liebhaber wurde sie an mehreren Standorten in Europa angesiedelt, von denen die älteste Ansiedlung im Schweizer Jura bereits ca. 100 Jahre alt ist. In Deutschland steht die Art auf der schwarzen Liste der invasiven Arten, da sie heimische Moorpflanzen verdrängt.

Die Rote Schlauchpflanze Sarracenia purpurea L. ist beim Nordamerikanischen Hochmoor zu finden.

April: Der Stern von Madagaskar 

Stern von Madagaskar (Angraecum sesquipedale Thouars). Foto: Deborah Schäfer
Stern von Madagaskar (Angraecum sesquipedale Thouars). Foto: Deborah Schäfer

Angraecum sesquipedale Thouars ist eine faszinierende Orchidee. Die Blüten verströmen nachts einen starken Duft und auch wenn die grossen, weiss-grün gefärbten Blüten eher unauffällig wirken, so sticht doch sehr schnell der enorm lange Blütensporn ins Auge.

Bis zu 40 cm lang kann dieser Blütensporn werden – also fast 4-5 Mal so lang wie die Blüte selbst. Im untersten Teil dieses Sporns wird Nektar produziert. Da stellt sich die Frage: Welches Insekt kommt an diesen Nektar heran?

Charles Darwin hat sich diese Frage bereits vor langer Zeit gestellt. In seinem 1862 veröffentlichten Werke, stellte er die gewagte Theorie auf, dass es auf Madagaskar einen bisher unbekannten, nachtaktiven Schwärmer geben muss, der einen mindestens 25 cm langen Rüssel hat. Nachtaktiv müsse das bestäubende Insekt sein, da die weissen Blüten nur in der Nacht mit ihrem Duft locken und der Rüssel müsse so enorm lang sein, damit das Insekt den im Sporn liegende Nektar erreichen kann.

Erst 1903, lange nach Darwins Tod, wurde auf Madagaskar tatsächlich ein solche Falter (Xanthopan morgani subsp. praedicta, Praedictus = der Vorausgesagte) entdeckt und sogar erst 1997 wurde ein solcher Nachtschwärmer bei einem Blütenbesuch fotographisch dokumentiert.

Eine Studie aus dem Jahr 2017 zeigt auf, dass sowohl die madagassische Unterart des Nachtschwärmers wie auch die Orchidee «der Stern von Madagaskar» beide vor rund 7 Millionen Jahren entstanden sind. Somit sind sie ein Beispiel für Co-Evolution, bei der sich Tier und Pflanze in einer für beide positive Partnerschaft entwickeln: Die Orchidee wird nur mit Pollen der eigenen Art bestäubt und der Bestäuber hat eine Nahrungsquelle, die er mit keinem anderen Insekt teilen muss.

Der Stern von Madagaskar (Angraecum sesquipedale Thouars) ist in der Schmetterlingsvitrine im Palmenhaus zu finden.

Text: Deborah Schäfer

März: Pinker Blütenteppich voller Geheimnisse

Kos-Alpenveilchen (Cyclamen coum Mill). Foto: Katja Rembold
Kos-Alpenveilchen (Cyclamen coum Mill). Foto: Katja Rembold

Cyclamen coum Mill wird auf Deutsch Kos-Alpenveilchen oder auch Vorfrühlings-Alpenveilchen genannt. Vorfrühling deshalb, weil seine auffälligen Blüten vor allem zwischen Januar und März zu sehen sind. Die robusten Blüten überstehen Schnee und Temperaturen bis zu -20 °C problemlos, spätestens im Monat Mai ist das Blütenmeer jedoch verschwunden. Diese Sommerruhe stammt noch aus dem ursprünglichen Verbreitungsgebiet des Kos-Alpenveilchens, dem Mittelmeerraum. Dort ist es im Sommer trocken, während im Winter ideale Wachstumsbedingungen herrschen.

Bei allen der ungefähr 22 Alpenveilchenarten bilden die bestäubten Blüten Samenkapseln. Interessanterweise wächst der Blütenstiel nach der Fruchtbildung weiter und kringelt sich schneckenförmig ein. Mit diesen Schraubbewegungen wird die Kapseln auf den Boden gebracht. Erst dann öffnet sich die Kapsel und die Samen werden freigegeben.

Viele Alpenveilchenarten sind beliebte Zierpflanzen. Während die aus dem Mittelmeergebiet stammenden Kos-Alpenveilchen und Efeublättrigen Alpenveilchen (Cyclamen hederifolium) frosttolerant sind und in vielen Gärten gepflanzt werden, wird das Zimmer-Alpenveilchen (Cyclamen persicum) gerne als Zimmerpflanze gehalten.

Die zierlichen rosaroten Blüten und die dekorativen Blätter entspringen einer grossen, scheibenartigen Knolle, daher auch der wissenschaftliche Namen Cyclamen (kyklaminos, griechisch = Scheibe, Kreis). Die Wurzelknolle ist giftig für Fische, aber auch für Katzen oder Menschen. Sie wirkt schon in geringen Mengen abführend und kann bei höherer Dosis zu Lähmungserscheinungen und Atemstillstand führen. Trotz - oder vielleicht gerade aufgrund - dieser Inhaltsstoffe wurde das Alpenveilchen vielfältig genutzt: von Schlangenbissen bis zu Geschwüren als Medizin, dem Wein beigesetzt, um betrunkener zu werden und dem Kuchen beigefügt, um Frauen verliebt zu machen. Ausserdem sollen die Blüten bzw. ein daraus gewonnenes Öl vor gebrochenem Herzen bewahren. 

Text: Deborah Schäfer

Februar: Im Winter ein rosarotes Blütenmeer, im Sommer eine klebrige Angelegenheit

Essers Fettkraut (Pinguicula esseriana B. KIRCHN.)
Essers Fettkraut (Pinguicula esseriana B. KIRCHN.) Foto: Deborah Schäfer

In den Vitrinen im Farnhaus blühen momentan gleich mehrere Arten der Fettkräuter (Gattung Pinguicula) – ein regelrechtes Meer aus rosaroten Blüten von klein bis gross. Die Fettkräuter sind eine Gattung, die nicht nur schön fürs Auge ist, sondern auch ökologisch äusserst Interessantes zu bieten hat.

Wenn man die in einer Rosette am Grunde der Pflanze wachsenden Laubblätter der Fettkräuter genau betrachtet, erkennt man, dass diese auffällig glänzen. Von diesem "fettigen Glänzen" der Laubblätter stammt auch der deutsche Gattungsname "Fettkraut". Das Glänzen stammt von zwei verschiedenen Sekreten, welche aus Drüsen auf der Blattoberfläche abgesondert werden. Durch das Glänzen werden Insekten angelockt und bleiben nach der Landung auf den Blättern an dem ersten, klebrigen Sekret hängen. Darauf hin kommt das zweite Sekret zum Zuge, ein enzymhaltiger Verdauungssaft, welcher das festklebende Insekt zersetzt. Die bei der Zersetzung freigesetzten Nährstoffe werden über winzige Blattöffnungen aufgenommen und dienen der Pflanze als zusätzliche Nahrungsquelle.

Fettkräuter sind also fleischfressende (karnivore) Pflanzen und kommen - wie die meisten karnivoren Pflanzen - in sehr nährstoffarmen Gebieten vor. In nährstoffarmen Gebieten ist diese zusätzliche Nahrungsquelle ein Konkurrenzvorteil gegenüber anderen, nichtkarnivoren Pflanzen.

Die Pflanze des Monats ist Essers Fettkraut (Pinguiculaesseriana B.KIRCHN.), ein Fettkraut, welches nur im Nordosten Mexikos vorkommt. In der Natur bildet diese Fettkrautart, wie auch andere tropische Fettkräuter, zwei unterschiedliche Blattarten (Heterophyllie). Während der Regenzeit hat sie karnivore Sommerblätter, welche eingerollte Blattränder besitzen. Während der Trockenzeit, verfällt die Pflanze in eine Art Winterruhe um ein Vertrocknen zu vermeiden und bildet rundlichere nicht-karnivore Winterblätter ohne eingerollten Rand.

Text: Deborah Schäfer

Januar: Ein rot-gelber Leopard im Dschungeldach

Foto: Tiger-Orchidee (Grammatophyllum speciosum Blume)
Tiger-Orchidee (Grammatophyllum speciosum Blume) Foto: Adrian Möhl

Anfang Januar, wenn die Natur in unseren Breitengraden ruht, sehnt man sich nach Farben, Wärme und Blumen. Es ist genau der richtige Moment, um der Tiger-Orchidee (Grammatophyllum speciosum BLUME) im Palmenhaus einen Besuch abzustatten.

Das Exemplar, das in der Galerie im Palmenhaus steht, hat eine bewegte Geschichte. Jahrelang hat es im Tierpark Dählhölzli gestanden, bevor es von da an den Altenbergrain gelangt ist. Hier nun scheint es dem gelb-rot gefleckten «Leopard» zu gefallen, zumindest blüht die Pflanze nun zum ersten Mal. Ob es das feucht-warme Klima, das viele Licht nach dem Sonnen-Sommer 2018 oder die liebevolle Pflege des Tropenhaus-Gärtners ist, sei dahingestellt, aber seit Ende Dezember blüht sie endlich. Dies ist beachtlich, denn in unseren Breitengraden kommt diese ohnehin eher blühfaule Art nur sehr selten zum Blühen.

Die Familie der Orchideen erfreut sich bei einem riesigen Publikum einer grossen Beliebtheit, die weit über die Kreise der Botaniker hinausreicht. Mit um die 30'000 Arten hat die Familie auch einiges zu bieten. Die Tiger-Orchidee hält innerhalb der Familie den Grössenrekord, denn ihre Stämme können mehrere Meter lang werden. Wer die Art wild sehen will, muss nach Südost-Asien reisen – ihr riesiges Verbreitungsgebiet reicht von Laos über die Philippinen bis zu den Solomon-Inseln. Dort wächst sie als sogenannter «Baumsitzer» in den Kronen von grossen Bäumen.

Tiger-Orchidee ist eigentlich ein wenig passender Name, denn für das lustige Punktemuster hätte wennschon ein Leopard bemüht werden müssen. Wegen ihren hübsch gepunkteten Blüten wird sie auch gerne kultiviert und der wissenschaftliche Artname passt gut: speciosum kann auf Deutsch mit «auffällig» übersetzt werden. Ob sie dereinst so gross wird, wie ihre Artgenossin, die an der Londoner Industrieausstellung 1851 ausgestellt wurde und über zwei Tonnen schwer war, wissen wir noch nicht – die Blüte sollte man sich aber im Januar keinesfalls entgehen lassen.

Text: Adrian Möhl