Botanischer Garten

Pflanzen des Monats 2020

April: Das Kirschblütenwunder im BOGA

Bergkirsche (Prunus sargentii)
Bergkirsche (Prunus sargentii Rehder) Deborah Schäfer

Die wunderschönen Kirschblüten Japans sind weltweit bekannt. Während ungefähr zwei Wochen im Frühling blühen die zahlreichen Kirschbäume Japans und werden mit dem Kirschblütenfest «Hanami» bei einem Picknick, Sake und Bier zelebriert. Die Kirschbäume in den Städten Japans sind in der Regel Züchtungen, die keine Früchte produzieren.

Das Asien-Gebiet im BOGA wäre kein richtiges Asien-Gebiet, wenn nicht ein Kirschbaum zu finden wäre, am besten natürlich eine Wildart. Im asiatischen Frühlingsgarten steht deshalb die Bergkirsche (Prunus sargentii Rehder) – eine der neun Kirschbaum-Wildarten.

Die Bergkirsche aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) kommt natürlicherweise in Japan, Korea und Sachalin (Russland) vor und kann bis zu 25 Meter hoch werden. Bei uns bleibt sie oft wesentlich kleiner – es wird meist von Bäumen berichtet, die maximal 8-12 Meter hoch sind. Diese Höhe erreicht der eher langsam wachsende Baum normalerweise nach ungefähr 20 Jahren.

Zwischen Ende März und Anfang April öffnen sich die zartrosa Blüten in grosser Zahl – auch bei dem noch kleinen Bäumchen im asiatischen Frühlingsgarten sind sie in Hülle und Fülle zu bestaunen. Die Bergkirsche hat aber nicht nur im Frühling viel zu bieten.

Im Sommer reifen die Früchte. Es sind kleine, im Durchmesser nur ca. 1 cm grosse, schwarz-rote Kirschen. Diese Steinfrüchte sind essbar, schmecken jedoch eher bitter und werden kaum als Nahrungsmittel verwendet für Vögel sind sie jedoch eine Delikatesse.

Im frühen Herbst verfärben sich die Blätter bei abnehmender Temperatur und kürzerer Tageslänge knallrot und bieten erneut ein auffälliges Farben-Spektakel.

Der wissenschaftliche Artname «sargentii» stammt von Charles Sprague Sargent – einem berühmten nordamerikanischen Botaniker und Dendrologen (Lehre der Bäume und Gehölze). Im zu Ehren wurde diese Art benannt.

Die Bergkirsche (Prunus sargentii) befindet sich im Neuen Asiengebiet. Da der BOGA momentan für die Öffentlichkeit geschlossen ist, wird das Schild vor Ort nicht ausgesteckt.

März: Asiatisches Frühlingserwachen

Japanischer Papierstrauch (Edgeworthia chrysantha LINDL.)
Japanischer Papierstrauch (Edgeworthia chrysantha LINDL.) Deborah Schäfer

Der Frühling kommt zurück! So kann auch im jungen, erst im letzten Jahr eröffneten Asien Gebiet das wunderbare Frühlingserwachen ein erstes Mal bestaunt werden.

Zu den frühesten Blüten hinter den drei grossen Schauhäusern gehören die des Japanischen Papierstrauches (Edgeworthia chrysantha LINDL.) im Asiatischen Frühlingsgarten. Schon von weitem sind die Blüten des zu den Seidelbastgewächsen (Thymelaeaceae) gehörenden Kleinstrauches zu sehen! Dies nicht nur wegen ihrer knallgelben Farbe, sondern auch aufgrund der seidigen, im Licht schimmernden Behaarung der Kelchröhre und Aussenseite der Blütenblätter. Die Behaarung ist nicht nur hübsch, sondern dient auch zum Schutz der Blüten bei frostigen Nächten, die zu dieser Jahreszeit durchaus noch vorkommen können. Die gelben Blüten verströmen einen intensiven, süsslichen Duft, welcher Hummeln, Bienen und Schmetterlinge anlockt. Einmal mehr funktioniert hier die Win-Win-Situation «Nahrung gegen Bestäubung» zwischen Pflanze und Insekten.

Auf die Schönheit der Blüten verweist auch der wissenschaftliche Name: Der zweite Teil «chrysantha» stammt nämlich vom griechischen Wort «crysantha» und bedeutet «goldene Blüten». In Japan wird der Japanische Papierstrauch «Mitsumata» genannt. Dies bedeutet «dreigabelig» und beschreibt somit die Eigenheit, dass aus einem Austriebspunkt (Punkt, wo die Äste verzweigen) meist drei Äste in verschiede Richtungen wachsen.

Der Japanische Papierstrauch stammt, anders als der deutsche Namen vermuten lässt, ursprünglich aus China und Myanmar. In Japan ist er heutzutage auch zu finden, dort wurde er jedoch von Menschen eingeführt. Nicht alles im umgangssprachlichen Namen ist falsch. Wie der Name verspricht, wird er in Japan zur Herstellung von sogenanntem Japanpapier genutzt. Das Papier wird aus den langen Bastfasern der Zweige hergestellt. Es entsteht ein gebrochen weisses, qualitativ sehr hochwertiges Papier, aus welchem z.B. Banknoten produziert werden.

Der Strauch befindet sich im Asiatischen Frühlingsgarten hinter den drei grossen Schauhäusern.

Februar: Blumige Konfetti für den Monat der Narren

Konfettibusch (Coleonema album (THUNB.) BARTL. & H.L.WENDL.)) Adrian Möhl

Seit Tagen blüht er pausenlos und wenn man die weisse Pracht im Sukkulentenhaus betrachtet, so merkt man auch gleich, dass der Name hier Programm ist: der Konfettibusch aus dem Kapland sieht in der Tat so aus, als klebten Hunderte von Konfetti in den feinen Blättern. Begegnet man dem blühenden Konfettibusch in freier Wildbahn, so ziehen einen die Sträucher, die wie kleine weisse Wölkchen anmuten, gleich in den Bann. Im südlichen Afrika kennt jedes Kind den Konfettibusch. Es sind aber nicht nur die Blüten, die im zu so grosser Popularität verholfen haben, sondern auch der markante Duft seiner Blätter.

«Buchu» nennt man in Südafrika fast alle Büsche aus der Familie der Rautengewächse, zu welcher auch Orangen- oder Zitronenbäume gehören. Die Südafrikaner unterscheiden mit diesem Sammelbegriff nicht, ob es sich dabei um den Konfettibusch oder einen nahen Verwandten handelt, denn alle diese feinblättrigen Büsche vereint eines: der äusserst kräftige Geruch, der entsteht, wenn man die Blätter zerreibt. Die Blätter mancher Buchu-Arten riechen zitronig, andere nach Cassis und mitunter gibt es auch welche, die eine eher strenge Knoblauchnote haben. Gewisse Arten werden auch kommerziell angebaut. Aus den geernteten Blätter werden natürliche Aromastoffe gewonnen mit denen beispielsweise Fruchtjoghurt aufgepeppt wird. Von allen Rautengewächsen hat der Konfettibusch Coleonema album aber wohl die am angenehmsten duftenden Blätter. Der erfrischende Orangenduft mit feiner Zimtnote könnte geradezu süchtig machen und es reicht, ein-zwei der feinen Blättchen zu zerquetschen, die Augen zu schliessen und von Südafrika zu träumen – und fertig ist die winterliche Aromatherapie. Neben dem weissblühenden Konfettibusch gibt auch noch sieben weitere Arten in der Gattung Coleonema, einige davon mit leuchtend rosa Blüten.

Wer dem lauten Narrenpack über die Fasnachtstage entfliehen will, kann sich im Februar die blumigen Konfetti im Sukkulentenhaus anschauen und dabei auch den unvergleichlichen Duft geniessen. Aber Vorsicht: Fernweh ist garantiert!

Der Konfettibusch befindet sich im Sukkulentenhaus

Januar: Betörende Blüten in Gelb

Goldkelch (Solandra grandiflora)
Goldkelch (Solandra grandiflora) Deborah Schäfer

Wonne für Augen und Nase im Januar: Die bis zu 20 cm grossen, leuchtend gelben Blüten des aus Zentralmexiko und Südamerikas stammenden Goldkelchs (Solandra grandiflora Sw.) sind ein wahrer Lichtblick in den kalten, grauen Winterwochen. Die auffallenden Blüten dieser Kletterpflanze erobern das Farnhaus bis unters Dach und bringen Erinnerungen an die warme Sonne zurück. Auch der Duft lässt Feriengefühle aufkommen – die Blüten verströmen einen süssen Duft nach Kokosnuss. Der Duft ist vor allem bei jungen Blüten und speziell in der Nacht sehr intensiv. Grund dafür ist, dass die Bestäuber – nachtaktive Fledermäuse – mit dem Duft angelockt werden. Beim Schnuppern an den Blüten ist für den Menschen jedoch Vorsicht geboten! Die ganze Pflanze ist nämlich hochgiftig und es wird sogar gemunkelt, dass bereits der Duft der Blüten eine psychoaktive und aphrodisierende Wirkung habe. Die Giftigkeit des Duftes ist lediglich eine Sage. Nachgewiesen ist, dass alle Pflanzenteile beim Verzehr hochgiftig sind.

Die starke Giftigkeit des Goldkelches ist wohl der Grund, warum er keine grosse Bedeutung als Rauschpflanze hat. Zwar entwickelt er als Tee zubereitet starke, bis zu 36 Stunden andauernde Halluzinationen, jedoch ist die Gefahr einer Vergiftung sehr gross.

Grosse Bedeutung hat der Goldkelch – wohl gerade wegen der extremen Giftigkeit – in der Mythologie. Beim mexikanischen Volksstamm der Huicholen gilt der Goldkelch als göttliche Pflanze. Der Gott des Windes und der Magie – Kieli Tewiali – sei auf die Erde gekommen und habe sich in den Goldkelch verwandelt. Jeder, der unter der Pflanze schlafe, erlange in seinen Träumen die Erleuchtung. Trotz dieser Wirkung ist der Goldkelch gefürchtet – er sei auch von bösen Kräften umgeben. Um den Vorwurf schwarzer Magie zu vermeiden, verwenden die Huichol-Schamanen den Goldkelch deshalb nur in den allerseltensten Fällen für ihre Rituale.

Die einzelnen Blüten des Goldkelches blühen nur während wenigen Tagen. Im BOGA eine Blüte in voller Pracht auf Augen- und Nasenhöhe zu erblicken bedingt deshalb immer etwas Glück. Viel Glück also im Neuen Jahr!

Die Pflanze ist im Farnhaus zu finden.