Botanischer Garten

Pflanzen des Monats 2020

Mai

Oktober: Weiblich oder männlich?

Lebombo-Brotpalmfarn (Encephalartos lebomboensis I.Verd.)
Lebombo-Brotpalmfarn (Encephalartos lebomboensis I.Verd.) auf der Farnhausterrasse Foto: Katja Rembold

Der Lebombo-Brotpalmfarn (Encephalartos lebomboensis I.Verd.) aus der Familie der Zamiaceae ist nach den Lebombo-Bergen benannt, wo er erstmals entdeckt wurde. Die natürliche Verbreitung erstreckt sich von Südafrika bis Mosambik und Eswatini auf steilen, felsigen Hängen.

Ein Name, der verwirren kann

Palmfarne ähneln optisch Palmen und Farnen, gehören jedoch zu den Nacktsamern (Gymnospermen). Sie bilden also echte Samen aus, die nicht von einem Fruchtknoten umschlossen sind. Somit sind sie eher mit Nadelbäumen verwandt als mit Palmen oder Farnen.

Eine Pflanze – ein Geschlecht

Wie auch andere Palmfarne, ist der Lebombo-Brotpalmfarn zweihäusig, das bedeutet, es gibt rein weibliche und rein männliche Pflanzen, die sich nur an ihren bis zu 45 cm langen Zapfen unterscheiden. Weibliche Zapfen sind mit max. 25 cm Durchmesser etwa doppelt so breit wie männliche Zapfen. Im reifen Zustand erkennt man an weiblichen Zapfen die roten Samen, während an männlichen Zapfen der Pollen produziert wird.

Im BOGA auf der Farnhaus-Terrasse bzw. im Farnhaus gibt es zwei Individuen des Lebombo-Brotpalmfarns. Bei einem davon entwickelt sich momentan ein Zapfen. Noch ist er zu jung, um sicher sagen zu können, um welches Geschlecht es sich handelt. Beobachten Sie mit uns und finden Sie heraus, ob es eine weibliche oder männliche Pflanze ist!

«Brot im Kopf»

Der Gattungsname Encephalartos bedeutet so viel wie «Brot im Kopf» und spielt auf die Nutzung des Stamm-Marks als Stärkelieferant an. Sowohl die Samen als auch das Mark wurden früher zu Mehl verarbeitet. Dieses musste zunächst durch wiederholtes Waschen von natürlichen Giftstoffen befreit werden.

Verschwindende Schönheit

Es wird geschätzt, dass in der Natur nur noch ca. 5'000 Individuen des Lebombo-Brotpalmfarns existieren. Die Bestände wurden durch Übersammlung und Habitatverlust zugunsten von Agrarflächen massiv reduziert. Der Lebombo-Brotpalmfarn ist deshalb heute als «gefährdet» eingestuft.

September: Gurke mit vielen Talenten

Schwammgurke (Luffa aegyptiaca Mill.)
Schwammgurke (Luffa aegyptiaca Mill.) Deborah Schäfer

Den Luffaschwamm bzw. die Schwammgurke (Luffa aegyptiaca Mill.) kennen viele nur als Badezimmeraccessoir oder aus dem Wellnesscenter. Hinter dieser Kletterpflanze aus der Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae) steckt aber noch viel mehr!

Lecker!

Die bis zu 5 cm grossen, strahlend gelben Blüten und die jungen, noch unreifen Früchte sehen nicht nur ähnlich aus wie Zucchinis, sondern können auch wie diese zubereitet und verzehrt werden. Vor allem in Asien, wo diese Pflanze beheimatet ist, ist sie ein beliebtes und häufig aufgetischtes Gemüse.

Pflanzlicher Schwamm

Die reifen Früchte können bis zu 80 cm lang werden. Beim Trocknen wird die äusserste Haut gelb und hart und im Inneren bildet sich ein dichtes, steifes Netzwerk aus Zellulosefasern. Dieses faserige Gerüst wird Luffaschwamm genannt und kann als Massage- und Badeschwamm benutzt werden. Damit können abgestorbene Hautpartikel effizient entfernt und die Durchblutung wird gefördert. Aber auch zum Schrubben sonstiger Oberflächen ist er gut geeignet.

Ökologischer Zweck der Schwammstruktur

Sobald die Frucht reif ist, platzt sie unten auf. Die glatten, schwarzen und flachen Samen werden aber von der steifen Schwammstruktur noch zurückgehalten und lösen sich erst, wenn der Wind die Frucht schüttelt. So wird garantiert, dass die Samen nicht nur einfach zu Boden fallen, sondern mit dem Wind weitergetragen werden. Auch Vögel und Nagetiere sind an der Samenverbreitung beteiligt.

Mehr als nur ein Schwamm

Die Verwendung als Schwamm ist nur eine der vielen Nutzungsmöglichkeiten. Die Früchte der Schwammgurke werden auch als Tierspielzeuge, Sandalen-Sohlen, Schalldämmmaterial, zur Isolierung von Helmen, zum Ausstopfen von Matratzen oder Satteln bis hin zu Ölfiltern für Dieselmotoren und Dampfmotoren z. B. von Schiffen verwendet.

August: Riesenblütenstand und Mini-Bananen

Japanische Faser-Banane (Musa basjoo Siebold & Zucc. ex linuma)
Japanische Faser-Banane (Musa basjoo Siebold & Zucc. ex linuma) Anne-Laure Junge

Die Japanische Faser-Banane (Musa basjoo Siebold & Zucc. ex linuma) stammt nicht wie der Name vermuten lässt aus Japan sondern aus China. Sie ist die winterhärteste Bananen-Art und kann in Mitteleuropa draussen gepflanzt werden. Die bis 4 m hoch werdende Pflanze kommt in unseren Breitengraden aber nur nach milden Wintern zur Blüte. Die Blütenstände bestehen aus zahlreichen, sich überlappenden Hoch-blättern. Unter jedem nach und nach abfallenden Hochblatt kommen mehrere Blüten zum Vorschein. Die Blüten an der Basis des Blütenstandes sind weiblich, diejenigen am Ende sind männlich, so wird eine Selbstbestäubung verhindert.

Staude oder Baum?

Die Japanische Faser-Banane ist, wie auch die anderen Bananen-Arten, eine Staude. Der «Stamm» besteht aus aufgerollten Blättern. Dieser kann ohne grossen Wiederstand mit einem Messer durchgeschnitten werden.

Beerenfrüchte

Die Früchte der ca. 40 Bananen-Arten sind botanisch gesehen Beeren. Die Früchte der Japanischen Faser-Banane sind klein und kommen in Mitteleuropa kaum zur vollen Reife. Die reifen Früchte haben einen gerin-geren Fruchtzuckergehalt als Dessertbananen und schmecken eher bitter und trocken. Trotzdem gilt sie in Japan als Delikatesse.

Dessertbanane

Die Dessertbanane ist nicht eine natürliche Art, sondern eine Kreuzung aus zwei verschiedenen Arten. Die Dessertbanane wurde so gezüchtet, dass sie keine Samen bildet. Die weichen, schwarzen Punkte in der Fruchtmitte sind lediglich unbefruchtete Samenanlagen. Dies ist auch der Grund, weshalb die Dessertbanane nicht generativ, also via Samen, fortgepflanzt wird sondern durch Klone. So sind fast alle Dessertbananenpflanzen genetisch identisch.

Warum ist die Banane krumm?

Das Stichwort lautet negativer Gravitropismus. Dies bedeutet, dass eine Pflanze in der Lage ist bei einzelnen Organen eine Wachstumskrümmung weg von dem Erdmittelpunkt auszulösen. Dies führt dazu, dass die Früchte der Bananen der Sonne entgegenwachsen und so eine Krümmung erhalten.

Juli: Giftig ist nur der Vorname

Gefleckter Schierling (Conium maculatum)
Gefleckter Schierling (Conium maculatum) Deborah Schäfer

Im Blütenmeer, welches momentan im Heilpflanzengarten des BOGA zu bestaunen ist, thronen die eher unauffälligen Blüten des Gefleckten Schierlings (Conium maculatum L.) auf bis zu 2 Meter Höhe. Die winzigen, weissen Blüten sind in einer sogenannten Doppeldolde zusammengestellt und gaukeln so den Bestäubern eine wesentlich grössere Blüte vor. Er gehört in die Familie der Doldenblütler und ist vor allem durch rötliche Flecken ganz unten am bereiften Stängel und anhand des unangenehmen Geruchs nach Mäuseharn von anderen weissen Doldenblütlern zu unterscheiden.

Achtung giftig!

Nicht diese unauffälligen Blüten machen den Gefleckten Schierling berühmt – sondern seine enorme Giftigkeit. Er gehört zu den giftigsten einheimischen Pflanzen – bereits 0.5 - 1g des Pseudoalkaloides Coniin ist für einen erwachsenen Menschen tödlich. Das Gift ist in der ganzen Pflanze, vor allem aber in den unreifen Früchten enthalten. Während eine Vergiftung bereits durch Berührung über die Haut auftreten kann, so ist der Verzehr von Pflanzenteilen extrem gefährlich und kann bereits innert 30 Minuten zur Atemlähmung und zum Tod führen.

Tödlicher Trank für politische Verbrecher

Schon im Altertum war die Giftigkeit des Gefleckten Schierlings bekannt und wurde für viele Giftmorde, aber auch zur Vollstreckung von Todesurteilen vor allem von politischen Häftlingen, verwendet. Der wohl bekannteste Mann, der mit Hilfe von Coniin hingerichtet wurde, ist Sokrates, ein griechischer Philosoph. Die Hinrichtung wurde mit dem sogenannten «Schierlingsbecher» vollzogen. Die Früchte wurden aus den Hülsen gelöst, zerstampft und auf eine dünne Schicht Wasser in den «Schierlingbecher» gestreut, welches vom Verurteilten getrunken werden musste.

Potentiell gefährdet

Der Gefleckte Schierling ist auch für die meisten Weidetiere giftig. Deshalb wurde er in vielen Teilen der Schweiz aktiv bekämpft und ist heute nur noch in vereinzelten Beständen vorhanden. Er wird als potentiell gefährdet betrachtet.

Juni: Hart im Nehmen

Griechische Tanne (Abies cephalonica LOUDON)
Griechische Tanne (Abies cephalonica LOUDON) Deborah Schäfer

Als einer der grössten Bäume im BOGA überragt die Griechische Tanne (Abies cephalonica LOUDON) fast alle anderen Pflanzenarten. Von der Lorrainebrücke aus ist sie deshalb gut sichtbar. Sie sticht mit ihrer Grösse und der dunkelgrünen Färbung deutlich aus den anderen Bäumen im «Wäldchen» beim Teich hervor. So winkt sie den Passanten auf der Lorrainebrücke auch während der Schliessung zu.

Die Griechische Tanne kann bis 30 m hoch werden. Ihre Rinde ist graubraun und ihre Nadeln, welche bis zu 10 Jahre alt werden, sind mit 3,5 cm länger als die der Weiss-Tanne. Zum Frass-Schutz sind die Nadeln hart und nicht ganz so abgerundet wie die der Weiss-Tanne. Die Griechische Tanne wächst auf steinigen, humusarmen Böden. Diese Begebenheiten haben die Griechische Tanne hart im Nehmen gemacht. Sie kann bis zu sieben Monate Trockenheit überstehen, wächst dafür aber nur langsam. So brauchen die Jungbäume fünf Jahre, um 20 bis 50 cm gross zu werden und erreichen erst nach ca. 25 Jahren eine Höhe von vier Metern. Die Griechische Tanne im BOGA hat ein geschätztes Alter von 100 Jahren und ihre Maximalhöhe ist wahrscheinlich erreicht.

Wie alle Tannen-Arten (Abies) geht die Griechische Tanne eine symbiotische Beziehung mit sogenannten Mykorrhiza-Pilzen ein. Die Pilze liefern der Tanne Nährstoffe, welche sie mit den feinen Hyphen im Boden besser erreichen und die Tanne liefert dem Pilz im Gegenzug organische Moleküle wie z. B. Zucker.

Die Griechische Tanne kommt natürlicherweise nur auf einem kleinen Gebiet in Griechenland und Albanien vor. Unter anderem findet man sie auf der griechischen Insel Kefalonia, die namensgebend für den wissenschaftlichen Namen der Griechischen Tanne ist. Obwohl ihr Verbreitungsgebiet sehr klein ist, wird sie nicht als gefährdet eingestuft. Ihr Vorkommen ist trotz der immer wieder auftretenden Brände, relativ stabil.

Die Griechische Tanne (Abies cephalonica LONDON) befindet sich im Wäldli und ist auch von der Lorrainebrücke her gut zu sehen.

Mai: «Roti Rösli im Garte, Meierisli im Wald»

Maiglöckchen (Convallaria majalis)
Maiglöckchen (Convallaria majalis) Katja Rembold

Im Wonnemonat Mai entzückt das Maiglöckchen (Convallaria majalis) mit seiner eleganten Schlichtheit. Ob es nun die niedlichen, glockenförmigen Blüten sind oder der wohlriechende Duft - seit jeher assoziieren wir mit der kleinen, auf den ersten Blick unscheinbaren Pflanze romantische Frühlingsgefühle. Seit dem Mittelalter taucht das Maiglöckchen vermehrt in Kunst und Literatur auf und in der “Blumensprache” steht es für die Rückkehr der Glückseligkeit und innige Liebe. Der Zauber des Maiglöckchens wirkt nicht nur auf einzelne Frühlingsverrückte, sondern auch auf ganze Nationen: Das Maiglöckchen war die Nationalblume des ehemaligen Jugoslawiens und ist seit 1967 die Nationalblume Finnlands.

Aber Vorsicht: trotz aller Lieblichkeit ist die ganze Pflanze hochgiftig! Das ist vor allem dann gefährlich, wenn das giftige Maiglöckchen mit dem essbaren Bärlauch verwechselt wird. Die Blätter der beiden Pflanzen ähneln sich stark, können jedoch mit geübtem Blick und guter Nase unterschieden werden: Die Blattunterseite des Maiglöckchens ist glänzend und seinen zerriebenen Blättern fehlt der typisch Knoblauchgeruch des Bärlauchs. Im Gegensatz zum Bärlauch bildet das Maiglöckchen an einem einzelnen Trieb zwei stängelumfassende Blätter aus. Zudem entspringt das Maiglöckchen einer unterirdischen Sprossachse (Rhizom), während der Bärlauch eine Zwiebel ausbildet.

Wie so oft bei Giftpflanzen, können sie in der richtigen Dosierung auch heilende Wirkungen haben. Aus Maiglöckchen werden Glycoside gewonnen, die z.B. bei leichter Herzmuskelschwäche angewendet werden, wodurch es auch zum Symbol der Heilkunde wurde. Das Blütenöl des Maiglöckchens wird oft Parfüms zugesetzt, wodurch der liebliche Frühlingsduft die Sinne das ganze Jahr betören kann!

April: Das Kirschblütenwunder im BOGA

Bergkirsche (Prunus sargentii)
Bergkirsche (Prunus sargentii Rehder) Deborah Schäfer

Die wunderschönen Kirschblüten Japans sind weltweit bekannt. Während ungefähr zwei Wochen im Frühling blühen die zahlreichen Kirschbäume Japans und werden mit dem Kirschblütenfest «Hanami» bei einem Picknick, Sake und Bier zelebriert. Die Kirschbäume in den Städten Japans sind in der Regel Züchtungen, die keine Früchte produzieren.

Das Asien-Gebiet im BOGA wäre kein richtiges Asien-Gebiet, wenn nicht ein Kirschbaum zu finden wäre, am besten natürlich eine Wildart. Im asiatischen Frühlingsgarten steht deshalb die Bergkirsche (Prunus sargentii Rehder) – eine der neun Kirschbaum-Wildarten.

Die Bergkirsche aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) kommt natürlicherweise in Japan, Korea und Sachalin (Russland) vor und kann bis zu 25 Meter hoch werden. Bei uns bleibt sie oft wesentlich kleiner – es wird meist von Bäumen berichtet, die maximal 8-12 Meter hoch sind. Diese Höhe erreicht der eher langsam wachsende Baum normalerweise nach ungefähr 20 Jahren.

Zwischen Ende März und Anfang April öffnen sich die zartrosa Blüten in grosser Zahl – auch bei dem noch kleinen Bäumchen im asiatischen Frühlingsgarten sind sie in Hülle und Fülle zu bestaunen. Die Bergkirsche hat aber nicht nur im Frühling viel zu bieten.

Im Sommer reifen die Früchte. Es sind kleine, im Durchmesser nur ca. 1 cm grosse, schwarz-rote Kirschen. Diese Steinfrüchte sind essbar, schmecken jedoch eher bitter und werden kaum als Nahrungsmittel verwendet für Vögel sind sie jedoch eine Delikatesse.

Im frühen Herbst verfärben sich die Blätter bei abnehmender Temperatur und kürzerer Tageslänge knallrot und bieten erneut ein auffälliges Farben-Spektakel.

Der wissenschaftliche Artname «sargentii» stammt von Charles Sprague Sargent – einem berühmten nordamerikanischen Botaniker und Dendrologen (Lehre der Bäume und Gehölze). Im zu Ehren wurde diese Art benannt.

Die Bergkirsche (Prunus sargentii) befindet sich im Neuen Asiengebiet. Da der BOGA momentan für die Öffentlichkeit geschlossen ist, wird das Schild vor Ort nicht ausgesteckt.

März: Asiatisches Frühlingserwachen

Japanischer Papierstrauch (Edgeworthia chrysantha LINDL.)
Japanischer Papierstrauch (Edgeworthia chrysantha LINDL.) Deborah Schäfer

Der Frühling kommt zurück! So kann auch im jungen, erst im letzten Jahr eröffneten Asien Gebiet das wunderbare Frühlingserwachen ein erstes Mal bestaunt werden.

Zu den frühesten Blüten hinter den drei grossen Schauhäusern gehören die des Japanischen Papierstrauches (Edgeworthia chrysantha LINDL.) im Asiatischen Frühlingsgarten. Schon von weitem sind die Blüten des zu den Seidelbastgewächsen (Thymelaeaceae) gehörenden Kleinstrauches zu sehen! Dies nicht nur wegen ihrer knallgelben Farbe, sondern auch aufgrund der seidigen, im Licht schimmernden Behaarung der Kelchröhre und Aussenseite der Blütenblätter. Die Behaarung ist nicht nur hübsch, sondern dient auch zum Schutz der Blüten bei frostigen Nächten, die zu dieser Jahreszeit durchaus noch vorkommen können. Die gelben Blüten verströmen einen intensiven, süsslichen Duft, welcher Hummeln, Bienen und Schmetterlinge anlockt. Einmal mehr funktioniert hier die Win-Win-Situation «Nahrung gegen Bestäubung» zwischen Pflanze und Insekten.

Auf die Schönheit der Blüten verweist auch der wissenschaftliche Name: Der zweite Teil «chrysantha» stammt nämlich vom griechischen Wort «crysantha» und bedeutet «goldene Blüten». In Japan wird der Japanische Papierstrauch «Mitsumata» genannt. Dies bedeutet «dreigabelig» und beschreibt somit die Eigenheit, dass aus einem Austriebspunkt (Punkt, wo die Äste verzweigen) meist drei Äste in verschiede Richtungen wachsen.

Der Japanische Papierstrauch stammt, anders als der deutsche Namen vermuten lässt, ursprünglich aus China und Myanmar. In Japan ist er heutzutage auch zu finden, dort wurde er jedoch von Menschen eingeführt. Nicht alles im umgangssprachlichen Namen ist falsch. Wie der Name verspricht, wird er in Japan zur Herstellung von sogenanntem Japanpapier genutzt. Das Papier wird aus den langen Bastfasern der Zweige hergestellt. Es entsteht ein gebrochen weisses, qualitativ sehr hochwertiges Papier, aus welchem z.B. Banknoten produziert werden.

Der Strauch befindet sich im Asiatischen Frühlingsgarten hinter den drei grossen Schauhäusern.

Februar: Blumige Konfetti für den Monat der Narren

Konfettibusch (Coleonema album (THUNB.) BARTL. & H.L.WENDL.)) Adrian Möhl

Seit Tagen blüht er pausenlos und wenn man die weisse Pracht im Sukkulentenhaus betrachtet, so merkt man auch gleich, dass der Name hier Programm ist: der Konfettibusch aus dem Kapland sieht in der Tat so aus, als klebten Hunderte von Konfetti in den feinen Blättern. Begegnet man dem blühenden Konfettibusch in freier Wildbahn, so ziehen einen die Sträucher, die wie kleine weisse Wölkchen anmuten, gleich in den Bann. Im südlichen Afrika kennt jedes Kind den Konfettibusch. Es sind aber nicht nur die Blüten, die im zu so grosser Popularität verholfen haben, sondern auch der markante Duft seiner Blätter.

«Buchu» nennt man in Südafrika fast alle Büsche aus der Familie der Rautengewächse, zu welcher auch Orangen- oder Zitronenbäume gehören. Die Südafrikaner unterscheiden mit diesem Sammelbegriff nicht, ob es sich dabei um den Konfettibusch oder einen nahen Verwandten handelt, denn alle diese feinblättrigen Büsche vereint eines: der äusserst kräftige Geruch, der entsteht, wenn man die Blätter zerreibt. Die Blätter mancher Buchu-Arten riechen zitronig, andere nach Cassis und mitunter gibt es auch welche, die eine eher strenge Knoblauchnote haben. Gewisse Arten werden auch kommerziell angebaut. Aus den geernteten Blätter werden natürliche Aromastoffe gewonnen mit denen beispielsweise Fruchtjoghurt aufgepeppt wird. Von allen Rautengewächsen hat der Konfettibusch Coleonema album aber wohl die am angenehmsten duftenden Blätter. Der erfrischende Orangenduft mit feiner Zimtnote könnte geradezu süchtig machen und es reicht, ein-zwei der feinen Blättchen zu zerquetschen, die Augen zu schliessen und von Südafrika zu träumen – und fertig ist die winterliche Aromatherapie. Neben dem weissblühenden Konfettibusch gibt auch noch sieben weitere Arten in der Gattung Coleonema, einige davon mit leuchtend rosa Blüten.

Wer dem lauten Narrenpack über die Fasnachtstage entfliehen will, kann sich im Februar die blumigen Konfetti im Sukkulentenhaus anschauen und dabei auch den unvergleichlichen Duft geniessen. Aber Vorsicht: Fernweh ist garantiert!

Der Konfettibusch befindet sich im Sukkulentenhaus

Januar: Betörende Blüten in Gelb

Goldkelch (Solandra grandiflora)
Goldkelch (Solandra grandiflora) Deborah Schäfer

Wonne für Augen und Nase im Januar: Die bis zu 20 cm grossen, leuchtend gelben Blüten des aus Zentralmexiko und Südamerikas stammenden Goldkelchs (Solandra grandiflora Sw.) sind ein wahrer Lichtblick in den kalten, grauen Winterwochen. Die auffallenden Blüten dieser Kletterpflanze erobern das Farnhaus bis unters Dach und bringen Erinnerungen an die warme Sonne zurück. Auch der Duft lässt Feriengefühle aufkommen – die Blüten verströmen einen süssen Duft nach Kokosnuss. Der Duft ist vor allem bei jungen Blüten und speziell in der Nacht sehr intensiv. Grund dafür ist, dass die Bestäuber – nachtaktive Fledermäuse – mit dem Duft angelockt werden. Beim Schnuppern an den Blüten ist für den Menschen jedoch Vorsicht geboten! Die ganze Pflanze ist nämlich hochgiftig und es wird sogar gemunkelt, dass bereits der Duft der Blüten eine psychoaktive und aphrodisierende Wirkung habe. Die Giftigkeit des Duftes ist lediglich eine Sage. Nachgewiesen ist, dass alle Pflanzenteile beim Verzehr hochgiftig sind.

Die starke Giftigkeit des Goldkelches ist wohl der Grund, warum er keine grosse Bedeutung als Rauschpflanze hat. Zwar entwickelt er als Tee zubereitet starke, bis zu 36 Stunden andauernde Halluzinationen, jedoch ist die Gefahr einer Vergiftung sehr gross.

Grosse Bedeutung hat der Goldkelch – wohl gerade wegen der extremen Giftigkeit – in der Mythologie. Beim mexikanischen Volksstamm der Huicholen gilt der Goldkelch als göttliche Pflanze. Der Gott des Windes und der Magie – Kieli Tewiali – sei auf die Erde gekommen und habe sich in den Goldkelch verwandelt. Jeder, der unter der Pflanze schlafe, erlange in seinen Träumen die Erleuchtung. Trotz dieser Wirkung ist der Goldkelch gefürchtet – er sei auch von bösen Kräften umgeben. Um den Vorwurf schwarzer Magie zu vermeiden, verwenden die Huichol-Schamanen den Goldkelch deshalb nur in den allerseltensten Fällen für ihre Rituale.

Die einzelnen Blüten des Goldkelches blühen nur während wenigen Tagen. Im BOGA eine Blüte in voller Pracht auf Augen- und Nasenhöhe zu erblicken bedingt deshalb immer etwas Glück. Viel Glück also im Neuen Jahr!

Die Pflanze ist im Farnhaus zu finden.