Botanischer Garten

Pflanzen des Monats 2020

Februar: Blumige Konfetti für den Monat der Narren

Konfettibusch (Coleonema album (THUNB.) BARTL. & H.L.WENDL.)) Adrian Möhl

Seit Tagen blüht er pausenlos und wenn man die weisse Pracht im Sukkulentenhaus betrachtet, so merkt man auch gleich, dass der Name hier Programm ist: der Konfettibusch aus dem Kapland sieht in der Tat so aus, als klebten Hunderte von Konfetti in den feinen Blättern. Begegnet man dem blühenden Konfettibusch in freier Wildbahn, so ziehen einen die Sträucher, die wie kleine weisse Wölkchen anmuten, gleich in den Bann. Im südlichen Afrika kennt jedes Kind den Konfettibusch. Es sind aber nicht nur die Blüten, die im zu so grosser Popularität verholfen haben, sondern auch der markante Duft seiner Blätter.

«Buchu» nennt man in Südafrika fast alle Büsche aus der Familie der Rautengewächse, zu welcher auch Orangen- oder Zitronenbäume gehören. Die Südafrikaner unterscheiden mit diesem Sammelbegriff nicht, ob es sich dabei um den Konfettibusch oder einen nahen Verwandten handelt, denn alle diese feinblättrigen Büsche vereint eines: der äusserst kräftige Geruch, der entsteht, wenn man die Blätter zerreibt. Die Blätter mancher Buchu-Arten riechen zitronig, andere nach Cassis und mitunter gibt es auch welche, die eine eher strenge Knoblauchnote haben. Gewisse Arten werden auch kommerziell angebaut. Aus den geernteten Blätter werden natürliche Aromastoffe gewonnen mit denen beispielsweise Fruchtjoghurt aufgepeppt wird. Von allen Rautengewächsen hat der Konfettibusch Coleonema album aber wohl die am angenehmsten duftenden Blätter. Der erfrischende Orangenduft mit feiner Zimtnote könnte geradezu süchtig machen und es reicht, ein-zwei der feinen Blättchen zu zerquetschen, die Augen zu schliessen und von Südafrika zu träumen – und fertig ist die winterliche Aromatherapie. Neben dem weissblühenden Konfettibusch gibt auch noch sieben weitere Arten in der Gattung Coleonema, einige davon mit leuchtend rosa Blüten.

Wer dem lauten Narrenpack über die Fasnachtstage entfliehen will, kann sich im Februar die blumigen Konfetti im Sukkulentenhaus anschauen und dabei auch den unvergleichlichen Duft geniessen. Aber Vorsicht: Fernweh ist garantiert!

Der Konfettibusch befindet sich im Sukkulentenhaus

Januar: Betörende Blüten in Gelb

Goldkelch (Solandra grandiflora)
Goldkelch (Solandra grandiflora) Deborah Schäfer

Wonne für Augen und Nase im Januar: Die bis zu 20 cm grossen, leuchtend gelben Blüten des aus Zentralmexiko und Südamerikas stammenden Goldkelchs (Solandra grandiflora Sw.) sind ein wahrer Lichtblick in den kalten, grauen Winterwochen. Die auffallenden Blüten dieser Kletterpflanze erobern das Farnhaus bis unters Dach und bringen Erinnerungen an die warme Sonne zurück. Auch der Duft lässt Feriengefühle aufkommen – die Blüten verströmen einen süssen Duft nach Kokosnuss. Der Duft ist vor allem bei jungen Blüten und speziell in der Nacht sehr intensiv. Grund dafür ist, dass die Bestäuber – nachtaktive Fledermäuse – mit dem Duft angelockt werden. Beim Schnuppern an den Blüten ist für den Menschen jedoch Vorsicht geboten! Die ganze Pflanze ist nämlich hochgiftig und es wird sogar gemunkelt, dass bereits der Duft der Blüten eine psychoaktive und aphrodisierende Wirkung habe. Die Giftigkeit des Duftes ist lediglich eine Sage. Nachgewiesen ist, dass alle Pflanzenteile beim Verzehr hochgiftig sind.

Die starke Giftigkeit des Goldkelches ist wohl der Grund, warum er keine grosse Bedeutung als Rauschpflanze hat. Zwar entwickelt er als Tee zubereitet starke, bis zu 36 Stunden andauernde Halluzinationen, jedoch ist die Gefahr einer Vergiftung sehr gross.

Grosse Bedeutung hat der Goldkelch – wohl gerade wegen der extremen Giftigkeit – in der Mythologie. Beim mexikanischen Volksstamm der Huicholen gilt der Goldkelch als göttliche Pflanze. Der Gott des Windes und der Magie – Kieli Tewiali – sei auf die Erde gekommen und habe sich in den Goldkelch verwandelt. Jeder, der unter der Pflanze schlafe, erlange in seinen Träumen die Erleuchtung. Trotz dieser Wirkung ist der Goldkelch gefürchtet – er sei auch von bösen Kräften umgeben. Um den Vorwurf schwarzer Magie zu vermeiden, verwenden die Huichol-Schamanen den Goldkelch deshalb nur in den allerseltensten Fällen für ihre Rituale.

Die einzelnen Blüten des Goldkelches blühen nur während wenigen Tagen. Im BOGA eine Blüte in voller Pracht auf Augen- und Nasenhöhe zu erblicken bedingt deshalb immer etwas Glück. Viel Glück also im Neuen Jahr!

Die Pflanze ist im Farnhaus zu finden.