Botanischer Garten

Pflanzen des Monats 2021

April: Geduldiges Warten, grosses Spektakel - Blütenpracht der Magnolie

Blüteninneres der Tulpen-Magnolie (Magnolia x soulangeana ‘Alexandrina’)
Blüteninneres der Tulpen-Magnolie (Magnolia x soulangeana ‘Alexandrina’) Foto: Katja Rembold

Obwohl wahrscheinlich alle, die den Botanischen Garten der Universität Bern regelmässig besuchen auch die wunderschön blühende Tulpen-Magnolie (Magnolia x soulangeana ‘Alexandina’) kennen, hatte sie noch nie die Ehre «Pflanze des Monats» zu sein. Der Grund ist einfach: Obwohl die Blütenexplosion Ende März/Anfang April ein regelrechtes Feuerwerk ist, ist es meist genauso schnell auch wieder vorbei. Zu Magnolien gibt es aber so viel Spannendes zu erzählen, dass ihr nun doch ein Pflanzenportrait gewidmet wird.

Älteste Blumen der Entwicklungsgeschichte

Nach heutigem Wissenstand gibt es mehr als 300 verschiedene Magnolienarten, welche alle in Ostasien und Amerika beheimatet sind.  Magnolien gehören zu den ältesten heute noch lebenden Blütenpflanzen (Angiospermen).  Sie entstanden bereits in der Kreidezeit, also vor über 100 Mio. Jahren. Zu dieser Zeit kamen sie natürlicherweise auch in Europa vor, wo sie aber während der letzten Eiszeit ausgestorben sind. Ihre Ursprünglichkeit ist an ihrer verlängerten Blütenachse zu erkennen, an welcher zahlreiche Blüten-, Staub- und Fruchtblätter schraubig angeordnet sind. Ein weiterer Hinweis für ihre frühe Entstehung in der Evolutionsgeschichte ist die Bestäubung, welche durch Käfer erfolgt.

Geduldiges Warten, grosses Spektakel

Winterharte Magnolienarten sowie viele gezüchtete Sorten sind aufgrund ihrer auffälligen Blüten beliebte Ziergehölze. Die in Europa am häufigsten gepflanzte Kreuzung ist die Tulpen-Magnolie (Magnolia x soulangeana Soul.-Bod.), welche in West-China aus einer Kreuzung zwischen den zwei chinesischen Arten Yulan-Magnolie (M. denudata) und Purpur-Magnolie (M. liliiflora) entstanden ist. Aus der Tulpen-Magnolie wurden verschiedenste Sorten gezüchtet. So auch die Tulpen-Magnolie ‘Alexandrina’, die in Europa am weitesten verbreitet ist. Die dicht behaarten Blütenknospen werden bereits im Herbst gebildet und warten auf die ersten heissen Frühlingstage, um sich dann in einem rosa Spektakel zu öffnen. 

März: Holz so schwer, dass es nicht schwimmt

Blütenknospen des Buchs (Buxus sempervierens)
Blütenknospen des Buchs (Buxus sempervierens) Foto: Deborah Schäfer

Die meisten kennen den Buchs (Buxus sempervirens L.) wohl aus Bauerngärten, wo er die Beete einfasst. Buchs ist eine anspruchslose, immergrüne Pflanze. Sie gedeiht auf sauren und basischen Böden, wächst im Schatten wie auch in der Sonne und erträgt sowohl Feuchtigkeit und - bis zu einem gewissen Grad - auch Trockenheit. Er kann gut in Form geschnitten werden, seine Wurzeln verfestigen die Beete und die kleinen Hecken bieten Windschutz und sorgen für ein optimales Mikroklima im Bauerngarten.

Stolz in Alter und Grösse

Buchs, der oft zu kleinen Hecken zugeschnitten wird, ist eigentlich ein kleiner Baum. Er wächst sehr langsam, kann über 100 Jahre alt werden und eine Grösse von gut acht Meter erreichen. Acht Meter erreicht er in seinem nördlicheren Verbreitungsgebiet. An den südlichen Grenzen seines Verbreitungsgebiets hingegen, im subtropischen Nordafrika, erreicht er auch Höhen von bis zu 20 Meter!

Unscheinbarer Frühlingsblüher

Im März und April, wenn Frühlingsblüher die Landschaften in verschiedensten Farben leuchten lassen, haben auch die unauffälligen Buchsblüten ihren Auftritt. Die kleinen, grün-gelben Blüten wachsen in Knäueln mit jeweils einer weiblichen und 5-6 männlichen Blüten. Obwohl klein und unauffällig, produzieren sie reichlich Nektar und Pollen und sind für viele Insekten eine wichtige Nahrungsquelle.

Holz so dicht, dass es nicht schwimmt

Das enorm dichte Holz des Buchsbaumes ist so schwer, dass es im Wasser sinkt. Die hohe Dichte ist wahrscheinlich auf das langsame Wachstum zurückzuführen, was das Holz wertvoll und teuer macht. Es wird gerne zum Drechseln, z.B. von Schachfiguren, verwendet.

Der Buchsbaumzünsler aus Asien

In der Schweiz ist der Buchs als «beinahe gefährdet» kategorisiert. Eine der Bedrohung für den Buchs ist unter anderem der Buchsbaumzünsler. Er nimmt das Gift des in allen Teilen toxischen Buchs auf und wird so selbst giftig, weshalb er in Europa keine Frassfeinde hat. So breitet er sich seit den 2000er Jahren rapide in Europa aus.

Februar : Ein sonderbares Gras

Der Schwarzen Bambus ist direkt am Zaun auf Höhe Palmenhaus zu bewundern.
Der Schwarzen Bambus ist direkt am Zaun auf Höhe Palmenhaus zu bewundern. Foto: Adi Möhl

In diesem Februar müssen wir uns damit begnügen, die Pflanzen im Botanischen Garten «über den Zaun» zu betrachten. Erstaunlich, was vom Altenbergrain her alles entdeckt werden kann! Einer, der einen ganz besonderen Kontrast zur weissen Schneedecke darstellt, ist der Schwarze oder Schwarzrohr-Bambus.

Ein aussergewöhnliches Gras

Bambusarten kommen natürlicherweise in der ganzen Welt vor – einzig in Europa und der Antarktis fehlen sie. Sie stellen eine riesige Gruppe dar und gehören zu den Süssgräsern, ganz so wie etwa der Hafer auf den Feldern oder die Rispengräser auf der Wiese.  Zwischen 1000 bis 1500 Arten wurden bis heute beschrieben.

Allein in der Gattung Phyllostachys finden sich über 50 Arten, darunter auch der Schwarze Bambus, der am Zaun beim Altenbergrain wächst. Wer hätte gedacht, dass diese Pflanze, mit den auffällig schwarzen und verholzten Halmen ein Gras ist?  

Bambussprossen

Phyllostachys-Arten sind beim Menschen besonders beliebt, weil man die Sprossen von etlichen Arten essen kann. Der Schwarze Bambus wurde 1823 zum ersten Mal nach Europa eingeführt – nicht um ihn zu essen, sondern als Zierpflanze, weil seine aussergewöhnlichen Halme sehr dekorativ sind.

Schwarze Bergwiesen

Natürlicherweise kommt der Schwarze Bambus in den Gebirgen der Provinz Hunan in China vor, wo er auf über 1000 Meter Höhe in offenen Wäldern und Bergwiesen vorkommt und diese oftmals stark dominiert.   

Drei Freunde im Winter

Bambus, Kiefer und Winterpflaume sind in China drei wichtige Pflanzen, weil sie dem Winter trotzen. Bambus und Kiefer sind immergrün und die Pflaume öffnet ihre Blüten manchmal schon im Februar. Deshalb sind Malereien mit den drei Pflanzen in Ostasien sehr beliebt und sie dürfen auch in keinem Garten fehlen – so auch nicht im Asiengebiet im Botanischen Garten, den man vom Altenbergrain wunderbar bestaunen kann. 

Januar: Saftige Kugel

Orangenbaum in der Orangerie
Deborah Schäfer

Im Sommer ist der Orangenbaum (Citrus sinensis (L.) Osbeck) auf der Palmenhausterrasse zu finden, wo im März und April die süss duftenden, weissen Blüten zu bewundern sind. Die Früchte reifen im Winter und sind deshalb für Besucher*innen meist nicht zu sehen. Denn der Orangenbaum stammt ursprünglich aus dem subtropischen Asien und verträgt keine Minustemperaturen. Er überwintert, wie auch fast alle anderen Zitrusfrüchte, vor Kälte geschützt in der Orangerie.

Interessante Familienverhältnisse

Aufgrund genetischer Untersuchungen wird davon ausgegangen, dass die Orange keine natürliche Art ist, sondern eine Kreuzung zwischen Mandarine (Citrus reticulata Blanco) und Pampelmuse (Citrus maxima (Burm.) Merr.), beide ihrerseits bereits Kreuzungen und nicht natürliche Arten. Erstmals wurde die Orange in China oder Südostasien kultiviert. Darauf weist auch der wissenschaftliche Artname «sinensis» hin, was so viel wie «aus China stammend» bedeutet. Erst im 15. Jahrhundert kam die Orange nach Europa. Heutzutage ist sie eine der weitverbreitetsten Früchte weltweit.

Grün und reif – kein Widerspruch

In Regionen mit tropisch-warmen und feuchten Nächten bleiben die Orangen auch wenn sie reif sind, grün. Grün ist also kein Reife-merkmal der Früchte. Da viele Verbraucher dies jedoch nicht wissen, werden grüne Früchte mittels Ethylengas «entgrünt», was sogar zu Qualitätseinbussen führen kann.

Gesunde Kugel

Unter den Zitrusfrüchten ist die Orange diejenige mit dem höchsten Gehalt an Vitamin C. Bereits der Verzehr einer Orange am Tag deckt den Tagesbedarf an Vitamin C eines Erwachsenen. Sie enthält auch viele weitere Mineralstoffe, wie zum Beispiel Kalium, Calci-um und Phosphor.

Farbenfrohes Inneres

Blond- und Blutorangen sind Sorten, welche ursprünglich aus denselben Elternpflanzen, also Mandarine und Pampelmuse, entstanden sind. Mittlerweile gibt es viele verschiedene solche Sorten, die sich vor allem in Grösse, Farbe und Säuregehalt unterscheiden.