Herbarium

Das Herbarium des Botanischen Gartens der Universität Bern (Herbarium Bernense) zählt mit seinen rund 500’000 Herbarbelegen zu den fünf grössten Herbarien der Schweiz. Besonders wertvoll sind die «Typusbelege», an denen Pflanzenarten erstmals wissenschaftlich beschrieben wurden.

Der BOGA besteht nicht nur aus einer Sammlung lebender Pflanzen, sondern er betreut auch eine konservierte Pflanzensammlung. Dabei handelt es sich um getrocknete oder in Alkohol konservierte Pflanzen, Algen und Pilze. Auf diese Weise konserviert, können die Belege Jahrhunderte überdauern und stellen ein einzigartiges Langzeitarchiv zu Vorkommen, Verbreitung und Diversität der jeweiligen Organismen dar.

Etwa 10% der Sammlung sind online bereits jederzeit einsehbar. Zudem finden sich hier mehrere Bände mit wunderschönen Pilz-Illustrationen von Gustav Otth und Bernhard Studer-Steinhäuslin.

Herbarium Bernense

Konservierte Vielfalt

Fast so vielfältig wie die Pflanzen, Algen und Pilze sind auch die nach Art der Konservierung unterschiedenen Sammlungen: 

  • Einen Grossteil der Sammlung machen die rund 500'000 Herbarbelege aus, womit das Herbarium Bernense das fünftgrösste Herbarium der Schweiz ist. Herbarbelege sind gepresste, getrocknete Pflanzen(teile), die auf Herbarbögen montiert sind. 
  • Möchte man die dreidimensionale Struktur erhalten, können die Belege in Konservierungsflüssigkeit (Ethanol-Lösung) eingelegt werden. Diese Alkoholsammlung des Herbariums Bernense ist die grösste historische Nasssammlung von Pflanzen und Pilzen in der Schweiz und umfasst 1142 Präparate. 
  • Verholzte Pflanzen(teile) wie Zapfen, grosse Samen und Früchte behalten ihre dreidimensionale Struktur auch ohne Konservierungsflüssigkeit und werden trocken gelagert. Die Trockensammlung des Herbariums Bernense umfasst etwa 3200 Objekte. 
  • Die ca. 3000 versteinerten Pflanzenfossilien und archäologischen Fundstücke (z.B. versteinerte Getreidekörner der Pfahlbauten) sind in der Fossiliensammlung untergebracht. 
  • Im Demonstrationsherbar sind zu jeder in der Schweiz vorkommenden Pflanzenfamilie Vertreter mehrerer Arten hinter Glas montiert, um sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede leichter einprägen zu können. 
  • Die Sammlung botanischer Illustrationen hat gegenüber Herbarbelegen den Vorteil, dass Farben naturgetreu und Details vergrössert dargestellt werden können. 
  • Auch Fotografien mit expliziten Angaben zu Datum, Ort und Autor:in oder von vergangenen Exkursionen sind von wissenschaftlichem Wert und werden in der Fotosammlung aufbewahrt.

 

Nach Art der Konservierung unterschiedene Sammlungen

Bedeutung für Naturschutz und weitere Fragestellungen

Herbarien sind heute wichtiger denn je. Sie sind Langzeitarchive, in denen Daten zu Pflanzenvielfalt und Verbreitung über die Jahrhunderte erhalten bleiben. Dadurch lässt sich beispielsweise der Einfluss des Klimawandels studieren. Die Ausbreitung invasiver Arten kann zurückverfolgt oder es können gezielte Naturschutzprojekte entwickelt werden.

Mit der Digitalisierung werden diese Daten online in modernen Pflanzendatenbanken verfügbar – beispielsweise im Nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora (InfoFlora).

Originalbelege enthalten zahlreiche Informationen, die von der Digitalisierung nicht erfasst werden. Beispiele sind mikroskopische Feinstrukturen, Bodenreste oder Algenbeläge. Aus Herbarbelegen können mithilfe molekularer Techniken auch genetische Informationen gewonnen werden. Neben Rückschlüssen auf Verwandtschaftsbeziehungen oder Veränderungen der genetischen Vielfalt können solche Daten dazu beitragen, Wasserspiegelschwankungen zu rekonstruieren oder bodenkundliche Fragestellungen zu erhellen.

Oft werden Herbarien auch dazu verwendet, eigene Herbarbelege nachzubestimmen oder Arten besser kennenzulernen. In Referenzherbarien werden Sammlungen von wissenschaftlichen Projekten hinterlegt. So lässt sich nachweisen, dass es sich bei den angegebenen Artenlisten wirklich um die genannten Arten handelt.

Neben der Forschung spielen Herbarien auch eine wichtige Rolle in Lehre und Bildung. Sowohl in Forschung als auch bei Bildungstätigkeiten geht das Themenspektrum weit über die Biologie hinaus. So liefern die Pflanzensammlungen auch Informationen zu Geschichte, Geografie oder Kunst.

Typusbelege

Wird eine Pflanzenart wissenschaftlich neu beschrieben, braucht es ein Belegexemplar, welches anschliessend als sogenannter «Typusbeleg» in einem Herbarium hinterlegt wird. Diese Typusbelege sind besonders wichtig, da sie als Referenz dienen, um dauerhaft nachweisen zu können, auf welches Pflanzenindividuum eine beschriebene Art zurückzuführen ist. Andere Belege können mit Typusbelegen verglichen werden, um Arten abzutrennen oder zusammenzuführen.

Typusbelege.

Wertvolle historische Sammlungen in Bern

Die ältesten Belege im Herbarium Bernense tragen die Jahreszahl 1753. Ein Grossteil der Belege stammt jedoch aus dem frühen 19. Jahrhundert. Auch bedeutende Privatsammlungen namhafter Botaniker:innen und Pharmazeut:innen sind heute in das Herbarium Bernense integriert. Zu nennen sind zum Beispiel die Sammlungen von Friedrich August Flückiger (1828-1894), Franz von Tavel (1863-1941), Ruben Sutter (1916-1985), Heinrich Gerber (1919-1982) und Hans Peter Fuchs-Eckert (1928-1999).

Seit 1998 ist die botanische Sammlung des Naturmuseums Solothurn Teil des Herbariums Bernense. Das «Solothurner Herbar» umfasst rund 70’000 Belege, viele davon aus den Sammlungen von Rudolf Probst (1855–1940) und Hermann Lüscher (1859-1920). Ein Grossteil dieser «Solothurner Sammlung» ist bereits online.

Aufarbeitung und Digitalisierung

Seit 2022 befindet sich das Herbarium nicht mehr im Botanischen Garten, sondern in der Länggassstrasse 31-37. Dieser neue Standort ermöglicht sowohl die bessere Unterbringung als auch die Aufarbeitung und Digitalisierung der Sammlung. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die Belege langfristig erhalten bleiben und die Zugänglichkeit und Sichtbarkeit der Sammlung wird massgeblich verbessert.

Von 2022-2024 liefen mehrere Projekte zur Aufarbeitung und Digitalisierung der Sammlung, die durch das Schweizer Netzwerk Naturhistorische Sammlungen (SwissCollNet) ermöglicht wurden:

Die Aufarbeitung und Digitalisierung der konservierten Sammlung am Botanischen Garten der Universität Bern ist möglich dank der wertvollen Unterstützung folgender Institutionen:

Logo: Burgergemeinde Bern BGB
Logo: Akademie der Naturwissenschaften Schweiz scnat
Logo: Ursula Wirz Stiftung
Logo: Swisslos-Fonds des Kantons Solothurn
Logo: Fondation Johanna Dürmüller Bol
Logo: Stiftung für den Botanischen Garten