2026
März: Echter Seidelbast (Daphne mezereum L.)
Zaghaft, aber umso farbiger macht sich der Frühling in den Freilandanlagen des Botanischen Gartens breit. Einer stiehlt dabei allen die Show: Der Echte Seidelbast trumpft nicht nur mit leuchtend rosa Blütenreigen, sondern auch mit betörendem Duft.
Zähe Sache
Der Seidelbast gehört in die Familie der Spatzenzungengewächse (Thymelaeaceae), die man in der Schweiz meist etwas weniger gut kennt. Von den weltweit rund 800 Arten kommen hierzulande nur gerade sechs vor. So klein die Familie auch sein mag, für den Menschen ist sie von grosser Bedeutung, liefert sie doch zahlreiche Zierpflanzen, wohlriechendes Holz für Räucherzwecke und wertvolle Bastfasern. Viele Arten wurden schon früh zum Korben oder zur Herstellung von Seilen und Netzen verwendet. Wie viele Mitglieder seiner Familie ist auch der Echte Seidelbast stark giftig. Früher wurden seine Blätter und Beeren in der Volksmedizin genutzt – eine gefährliche Sache, die oftmals tödlich verlief.
Bienenmagnet und Hexenabwehr
Mit seinen knallrosa Blüten und dem verführerischen Duft ist der Echte Seidelbast bei Bienen sehr beliebt, zumal er dann blüht, wenn das Nektarangebot klein ist. Hexen hingegen machen einen weiten Bogen um die Pflanze. Im deutschen Volksglauben kamen geweihte Palmsonntagszweige aus Seidelbast gegen Hexen zum Einsatz. Um sich vor Gewittern zu wappnen, wurden die Zweige bei aufziehenden Wolken verbrannt. Am Pflug angebracht, schützten sie die Ernte. Vieh, das man mit ihnen auf die Weide getrieben hatte, war von Zauberei frei und gab mehr Milch. Der Echte Seidelbast ist nachgewiesenermassen seit 1561 in Kultur. Besonders beliebt sind dabei auch rein weisse Exemplare, die forma alba. Bei einem Frühlingsspaziergang im BOGA kann man ein solches Exemplar im Bauerngarten bewundern.
Februar: Papillen-Wolfsmilch (Euphorbia papillaris (BOISS.) RAFFAELLI & RICCERI)
Können Sie es im Februar manchmal auch kaum erwarten, dass es endlich wieder Frühling wird? Dann ist ein Besuch im Mittelmeerhaus genau das Richtige für Sie! Hier blüht es bereits im Februar in verschiedenen Farbtönen und Zistrosenduft weckt Sehnsucht nach dem Süden.
Gross und giftig
Neben farbigen Schwertlilien und leuchtenden Primeln sticht die Papillen-Wolfsmilch mit ihren raffinierten, grünlichen Blütenständen hervor. Sie gehört zur umfangreichen Gattung Euphorbia, zu der auch der Weihnachtsstern und imposante Sukkulenten zählen. Mit über 2000 Arten gehört die Gattung zu den grössten im Pflanzenreich. Alle Wolfsmilch-Arten haben einen charakteristischen Blütenstandaufbau und führen Milchsaft. Bei zahlreichen Arten ist dieser sehr giftig und kann bei Berührung zu Reizungen oder Verätzungen der Haut führen. Für die Pflanzen ist es ein wirksamer Schutz gegen Frassfeinde.
Nektarische Frühlingsgefühle
Die Papillen-Wolfsmilch ist eine bis zu einem Meter hohe Staude. Ihren Namen verdankt sie dem mit «Papillen» rau behaarten Stängel. Im Blütenstand fallen die ovalen Nektardrüsen auf, die manchmal von Honigsaft glänzen – ein wortwörtlich gefundenes Fressen für verschiedenste Insekten. Einst glaubte man, dass diese Art nur auf Sizilien beheimatet sei, und sie wurde auf zahlreichen Listen als wertvoller Endemit der Insel geführt. Heute weiss man, dass es auch Vorkommen in Libyen und Tunesien gibt. Dies belegt die enge Verwandtschaft der sizilianischen Flora zum afrikanischen Kontinent. Wer grüne Blumen mag, wird an dieser speziellen Art bestimmt Gefallen finden. Bei der erwachenden Blütenpracht im Mittelmeerhaus sind die Frühlingsgefühle in jedem Fall vorprogrammiert!
Januar: Geldbaum (Crassula ovata (Mill.) Druce)
Kaum ist das neue Jahr angebrochen, macht sich schon das Januarloch bemerkbar. Wie praktisch wäre es da, einen Geldbaum im Garten zu haben! Nun – der Botanische Garten besitzt tatsächlich einen solchen. Aus allfälligen finanziellen Nöten hilft er jedoch nicht.
Fettblattgewächs aus KwaZulu-Natal
Ursprünglich stammt der Geldbaum aus dem südlichen Afrika, wo er in den Provinzen KwaZulu-Natal und Ost Kap im sogenannten «Dickicht» vorkommt. Dieser Vegetationstyp macht seinem Namen Ehre, ist oft nahezu undurchdringlich und Heimat von vielen Sukkulenten, Pflanzen also, welche der Trockenheit mit fleischigen Blättern und Wasserspeichern trotzen. Auch der Geldbaum ist ein Überlebenskünstler und gedeiht häufig auf besonders trockenen Granitfelsen, die aus dem Dickicht ragen. Er gehört der Pflanzenfamilie der Fettblattgewächse an, die auch in der Schweiz verbreitet ist und Gattungen wie Mauerpfeffer oder Hauswurz umfasst. Während er in seiner Heimat im Südwinter blüht, also im Juni und Juli, zeigt er seine Blüten in Bern ebenfalls im Winter – einfach um ein halbes Jahr verschoben. Mit seinen fleischigen Blättern passt er hervorragend ins Sukkulentenhaus.
Dagobert Ducks Lieblingspflanze
Seiner rundlichen Blätter und seiner Genügsamkeit wegen hat der Geldbaum die ganze Welt erobert. Ob als Zimmerpflanze oder als Hecke in mediterranen Gärten – der Gast aus Südafrika hat eine grosse Fangemeinde. Namen wie «Geldbaum», «Pfennigbaum» oder «Dollar‑Pflanze» spielen auf die Form der Blätter an, «Jadepflanze» eher auf deren Farbe. Dagobert Duck würde sicher seinen Gefallen an dieser Art finden und das hat auch der Zimmerpflanzen-Markt. Obwohl der Geldbaum weder Nötli noch Fünfliber liefert – aus wirtschaftlicher Perspektive ist er dennoch interessant. Als Zierpflanze mit riesiger Nachfrage generiert er pro Jahr einen Millionenbetrag und wird dem Namen Geldbaum zumindest in dieser Hinsicht gerecht.
