Botanischer Garten

Gondwanahaus bringt Südsommer in den Nordwinter

Ein neu gestaltetes Schauhaus zeigt im Botanischen Garten der Universität Bern Pflanzen, die aus der Flora des alten Grosskontinents «Gondwana» entstanden und heute in der Südhemisphäre beheimatet sind. Viele der mehr als 200 präsentierten Arten blühen im «Südsommer» und bereichern mit ihren Farben den grauen Winter unserer Breitengrade. Das Schauhaus ist ab dem 28. Oktober 2022 öffentlich zugänglich.

Das neu eröffnete Gondwanahaus des Botanischen Gartens (BOGA) ist einzigartig in der Schweiz. Es präsentiert über 200 verschiedene Pflanzenarten, die überwiegend im Winter blühen. Die aussergewöhnliche Blütezeit verdanken die Pflanzen ihrer Herkunft in der Südhemisphäre, wo in diesen Monaten der «Südsommer» herrscht. «Wir ermöglichen den Besucherinnen und Besuchern mit dem Gondwanahaus, einige besonders biodiversitätsreiche Regionen der Erde vor der eigenen Haustüre hautnah zu erleben», freut sich Markus Fischer, Direktor des BOGA.

Gemeinsame Herkunft in Gondwana

Neben drei anderen kleinen Gewächshäusern gelegen, versammelt das neue Schauhaus Pflanzen aus allen Kontinenten der Südhemisphäre. Nach zweijährigem Umbau vermittelt es Einblicke in die verwandtschaftlichen Beziehungen und einzigartige Evolution dieser Arten.

«Gondwana» ist der Name eines Kontinents, der sich vor rund 180 Millionen Jahren bildete, nachdem der bis dahin zusammenhängende Urkontinent Pangäa in zwei Teile zerfiel. Das Leben auf diesem Südkontinent entwickelte sich in eine eigene Richtung und es entstanden neue Pflanzengruppen. Durch die Verschiebung der Kontinentalplatten spaltete sich Gondwana weiter auf und es formten sich die heutigen Kontinente Australien, Südamerika, Afrika sowie Indien und die Arabische Halbinsel.
Die meisten Pflanzengruppen der einstigen Gondwanaflora sind heute ausgestorben, einige Familien hatten jedoch Bestand. Auf den Teilstücken des ehemaligen Gondwana entwickelten sich zudem über die Jahrmillionen neue Familien, Gattungen und Arten. Ein Ausschnitt aus dieser riesigen Vielfalt kann im Gondwanahaus besichtigt werden.

Kapflora – botanische Perlen Südafrikas

Besonders vielfältig ist die Sammlung von Pflanzen aus Südafrika. Vor der Eröffnung des Schauhauses nahmen die frostempfindlichen Gewächse oft Schaden, wenn sie zum Überwintern jedes Jahr ein- und ausgegraben werden mussten. «Mit dem Gondwanahaus bekommen diese Pflanzen endlich ihren verdienten Platz. Ihnen das ganze Jahr hindurch eine gedeihliche Umgebung zu bieten, ist für mich eine grosse Herausforderung», erklärt Silvan Glauser, Gärtner im BOGA.
Für die Vegetation am Kap Afrikas sind Heidekräuter (Gattung Erica) mit ihren nadelförmigen Blättern charakteristisch. Aber auch zarte Seilgräser (Familie der Restionaceae) und viele aromatisch duftende «Buchu» (Familie der Rutaceae) prägen die Vegetation.

Neben der südafrikanischen Flora haben im Gondwanahaus auch vergleichbare Gegenstücke aus Südamerika, Australien, Neuseeland und sogar der Antarktis eine neue Heimat gefunden. «Auch hier finden sich Erben aus dem einstigen Südkontinent und es ist faszinierend, die Ähnlichkeiten und Unterschiede in den jeweiligen Floren zu beobachten» begeistert sich Adrian Möhl, wissenschaftlicher Mitarbeiter am BOGA. Als profunder Kenner der Kapflora hat er das Gondwanahaus initiiert und konzipiert.

Aufwendige Beschaffung

Neben dem Umbau stellte auch die Ergänzung der Pflanzensammlung das BOGA-Team vor Herausforderungen. Vor allem Pflanzen aus der Antarktis sind sehr schwer zu erhalten. Ohne den Austausch mit einem weltweiten Netz weiterer botanischer Gärten wäre das Projekt nicht möglich gewesen.
Die Ein- und Ausfuhr von Pflanzen ist durch phytosanitäre Auflagen und gesetzliche Bestimmungen streng geregelt. Der BOGA legt grossen Wert darauf, nur gesunde und legal gesammelte und vermehrte Pflanzen anzuschaffen und auszupflanzen.

«Chronoversum – Planzen im Wandel der Zeit»

Unter diesem Titel beleuchtet der Botanische Garten der Universität Bern (BOGA) in seinem Programm für die Jahre 2022 und 2023 mit Veranstaltungen und Ausstellungen den Wandel, dem die Pflanzenwelt seit Urzeiten unterliegt – sei es durch Evolution und Kontinentaldrift oder durch zyklische Prozesse im Laufe von 24-Stunden.

www.botanischergarten.ch/chronoversum

27.10.2022